Heat in Arizona, Seattle Freeze, Brexit

Bevor ich morgen ins Flugzeug steige (wos soi sein, de ham 4 Gummirutschn), muss noch was raus: Was für eine Woche! Was ist da los??? Brexit?!?!! Wie so oft in diesem Jahr in USA saßen wir wiedereinmal fassungslos vor der ZDF App und haben mit 9 Stunden Verspätung diesem unglaublichen Schritt der Briten hilflos zugesehen. Ich seh das schon kommen, da wird hier auch der Trump gewählt, das passt in die allgemeine Weltstimmung.

Hier gingen ganz easy die letzten vier Schultage vorüber und wir können gar nicht glauben, dass die Kinder ein ganzes Schuljahr absolviert haben sollen. Valentin auf der class party mit rootbeer&ice (brrr… das muss man nicht )

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Sophie ist noch mal eben bei einem „little sleepover“, also mit Kino, Pizzaessen, Eis – a lot of fun und morgen dann direkt zum Flughafen.

Davor, letzte Woche, hatte ich nochmal die Gelegenheit einem mehr so „recreational business event“ beizuwohnen, der in Arizona stattfand. Arizona, die Wahlheimat vieler „Snowbirds“ – also weißhaarigen Nordnordamerikanern und Kanadiern, die hier den Winter verbringen. Wir waren ja im Juni dort und das ist ja NICHT Winter. Abgesehen von den klimatisierten Räumen ist es dort wie durch einen auf HOT eingestellten Fön zu laufen, kennste das Gefühl, kennste? Das Programm beinhaltete auch die Möglichkeit „Horsebackriding“ zu machen und warum nicht. Als Cowgirl durch die Wüste, vorbei an jahrhundertealten Kakteen, wunderbar. Jedoch nach einer Stunde freut man sich auf den klimatisierten Bus. Aber Pustekuchen: Danach war noch Tomahak-Werfen, Lasso-Schwingen, Pistolen abfeuern und Bogen schießen Pflicht und das BEI 40 GRAD im Schatten!!!

5 Flaschen WasserIMAG1009 und 2 Colas später dann endlich im Bus. So, alle hungrig – wohin? „In-and-out Burger“ – ein Must im Südwesten. O.K. und positiv überrascht, kleine Auswahl, also Burger oder Cheeseburger, variabel eigentlich nur die Anzahl der Paddies…

 

Danach regungsloses Abkühlen im Pool und weiterhin Vermeidung längerer Aufenthalte in der Sonne.

Dennoch wiedereinmal diese großartigen, unterschiedlichen Landschaften, die Weite und die Freundlichkeit dieser United Nation. Das Essen ist wegen der Nähe zu Südamerika recht mexikanisch angehaucht – Margueritas überall, gerne auch mit Prickly Pear, einer Kaktusfrucht, die einen quietschrosa Saft hat. Sehr lecker, wird auch gerne mit Salzrand am Glas genommen. Und man spürt die auch gleich stärker, wenn man bei 30 Grad um 23 Uhr dann vergißt zu zählen, weils grad so zünftig ist mit den englischen Kollegen, Europäer eben, denkste, nicht mehr. Auf nichts kann man sich verlassen.

Und da sind wir auch schon beim letzten „Thema der Woche“ dem Seattle Freeze. Ich zitiere aus Wikipedia:

The Seattle Freeze refers to a belief that it is especially difficult to make new friends (particularly for immigrants from other cities) in the city of Seattle, Washington. According to KUOW radio, a 2005 Seattle Times article was the oldest reference to the term found.[1][2]

Newcomers to the area have described Seattleites as being standoffish, cold, distant, and not trusting.[3] While in settings such as bars and parties, people from Seattle tend to mainly interact with their particular clique.[4] One author described the aversion to strangers as: „people are very polite but not particularly friendly.“[5] In 2008 a peer-reviewed study published in Perspectives on Psychological Science found that among all states, Washington residents ranked 48th in the personality trait extroverted.[6] Some residents dispute the existence of the Seattle Freeze.[7][8] The rapid growth of Amazon[9] and its accompanying influx of largely young, male technology workers may be making the problem worse.[10]

It has been speculated that the origin of the phenomenon stems from the reserved personalities of the city’s early Nordic[11] and Japanese immigrants.[12] Other reasons might include the emotional effects of the climate or the region’s history of independent-minded pioneers.[12][13][14]

Ich habe von allem dem zunächst überhaupt nichts mitbekommen, weil ja alle immer so warm and welcoming waren. Wenn man länger hier ist und langsam, langsam so die Zwischentöne mitbekommt, dann ist das hin und wieder spürbar. Man lernt also jemanden kennen, alles super, du wirst sofort und penetrant mit deinem Vornamen angesprochen, während du noch grübelst ob das jetzt Lesly oder Casy oder Christy war und das nächste Mal ist Lesly, Casy oder Christy dann auf einmal recht kühl und hat keine Zeit für ein Schwätzchen… Vielleicht weil ich mir den Namen nicht gemerkt habe? Nein, das ist eben Seattle Freeze. Das gute ist ja, dass hier so viele Zugezogene sind, dass man gar nicht so sehr auf die Pioneernachfahren fokusieren muss. Die Iraner, Libanesen, Isralis, Argentinier und Türken sind mir dann auf einmal recht nah, lustig oder?

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Ganz nah bin ich vor allem Euch und zwar nicht nur in Gedanken, nein ab Sonntag auch ganz physisch…. Bis denni

 

Endspurt – Deutschstunden

Ich werde nicht schreibfaul, ich kann mich nur nicht entscheiden, über was ich schreiben soll UND vor allem immer wenn ich schreibe, denke ich an Euch und wenn ich an Euch denke, dann wir mir die Tage doch irgendwie schwer ums Herz, weil ich immer noch und immer wieder Deutsche und andere Europäer treffe, die hier hängengeblieben sind. Wie lange werden wir bleiben? Seufz.

In gut zwei Wochen sind wir schon in Deutschland, unfassbar. Dabei bin ich doch eben noch in FRA ins Flugzeug gestiegen. Kaiserschmarrn wir kommen – Franzl, Sissi ich freu mich schon so, Knödl gibts (Irma!!)

So jetzt genug der Sentimentalitäten, statt dessen Neuigkeiten: Ich also jetzt Deutschlehrerin. So nett. Meine drei (ja, ist ein kleiner Kurs) Schülerinnen wollen tatsächlich Deutsch lernen. Full immersion, sprich ich nur Deutsch – sie nur Deutsch, soweit eben irgendmöglich. Aber erstmal: Warum Deutsch? (spricht doch kaum jemand hier, oder?) Die schönste Antwort: „I fell in love with the country“ – ja das geht doch runter wie Öl, oder? Lehrer stellt euch vor, die Schüler sagen: Ich bin eben verliebt in Mathe, in Frankreich, in die Geschichte. So eine Einstellung und das war ernst gemeint! Da können wir noch was lernen. Die andere hat einen Freund, dessen Vater Deutscher und die Mutter Mexikanerin ist, weshalb er dreisprachig aufgewachsen ist und sie will die deutschen Verwandten verstehen. Auch schön, damit sind wir schon beim ersten „ö“. Wir haben ja relativ wenige Umlaute öäü aber ich habe festgestellt, die hören den Unterschied zwischen schon und schön gar nicht. Weil das Ohr, sprich Gehirn, diesen Laut nie gehört hat, erkennt es ihn quasi nicht. Sie bemühen sich sehr, aber es ist hart. Und alle „ichs“ und „achs“ sind auch recht schwierig, ebenso das „r“, klar. Kleine Episode: Themen und Vokabeln sind ja im Curriculum festgelegt und eine Stunde war „Aktivitäten am Wochenende“ und da kam die Phrase… Am Wochenende möchte ich … in den Park, auf den Markt, in die Bibliothek, in den Nachtclub gehen. Die Mädels übten dann fleißig: „Ick mockte in den Nacktclub gean.“ Oh nein, da müssen wir rasch einmal nackt rausnehmen. Wir haben uns auf Club geeinigt, ist sowieso gängiger und sonst wäre die deutsche Verwandtschaft vielleicht nur teilweise begeistert. „Guad, gema hoid in an Nacktclub, wennsd moinst.“ Am lustigsten fanden sie wiederum die Zahl 55. die fü-zi Kombi, fanden sie sehr erstaunlich…

Mir fällt dabei auch auf, das wir ganz schön lange Wörter haben und eben auch gerne Nomen zusammensetzen und das eigentliche ständig: Wochenende, Kaffeetasse, Computerbildschirm, Gebrauchsanweisung. Und wie nüchtern wir sprechen: Hochzeitsreise – hier honeymoon.

Aber da haben sich schon mehr Leute drüber lustig gemacht… In diesem Sinn – lasst Euch ÜBERRASCHEN:

https://www.youtube.com/watch?v=41lZmGcRWHU