Oh, wie schön war Kanada!

Halloween steht vor der Tür und ich habe meine Sommeraktivitäten noch immer nicht aufgearbeitet bzw. stecke sowieso noch mitten drin. Nach diesem „amazing, but really short summer“ vergisst man gerne den sehr langen, sehr grauen Winter.

Eine fröhliche ältere Dame, die uns am Beachclub mit den Worten: „What is that music that I can hear in your language? Is it German???“, in ein Gespräch über ihre Nachbarn, die diverse deutsche Anknüpfungspunkte haben und ihr das Lied (passend zur aktuellen Münchner OFZ (Oktoberfestzeit)) beibrachten, das sie dann anstimmte: „Oh wie is that schon, oh wie is that schon, oh wie is that wunderwunderschon – thats all I know in German!“ Also diese kleine, dicke Dame hat uns dann erklärt, dass sie hier auf Mercer Island aufgewachsen ist und bis zur Highschool gar nicht gemerkt hat, dass hier die Winter so grau sein sollen. Ihre Zimmergenossin auf dem College jedoch(Mädchen von der Ostküste) hat dann den ganzen November lang jeden morgen geseuftzt: „Manno, schon wieder grau…“ Bis sie dann sagen musste: „So jetzt ist aber Schluss. Du sagst jetzt nur noch, was über das Wetter, wenn es dir gefällt, nur wegen dir ist mir jetzt auf einmal klar, wie viele graue Tage wir hier haben, das wusste ich vorher nicht!!!“

Was ich eigentlich sagen wollte: Nachdem sich nun langsam der ein oder andere Regentag unter die unendliche Kette der trockenen Sonnentage mischt, kehrt langsam, sehr langsam die Erinnerung zurück. Aber noch drei, vier Sommer und mir fällt dann der graue Herbst gar nicht mehr auf. Oh wie ist das schon, oh wie ist das wunderwunderschon!!!

Apropos Erinnerungen: Wir waren ja noch lange nicht fertig mit KANADA!

Wir also in Banff und damit gefühlt im Herzen der kanadischen Rocky Mountains und in einer Berglandschaft, na seht selbst:

Nach einer privaten Führung durchs Fairmont Hotel in Banff durch eine entzückende Kanadierin, die gerade dort zu arbeiten begonnen hat und die wir auf der Wanderung kennen gelernt hatten…

… trennten sich die Wege, denn die Wahlfranzosen hatten noch ein paar Wochen das Wohnmobil und wir mussten zurück, liebe spontan Besucher aus Pöcking treffen und dann noch mal auf Vancouver Island, alte  und ebenso gute Freunde aus München treffen und deshalb ab durch die südlichen Ausläufer der Rockies, vorbei an heißen Quellen, eisenhaltigen Sumpfgbieten bis zur Grenze Kanadan USA in IDAHO.

 

Dort an einem winzigen Grenzübergang wieder ein Abenteuer:

„Nehmen sie „food“ über die Grenze?“ „Äh, food – ich denke an Rohfleisch, Wurst und Pflanzensamen, was man halt nicht einführen darf und sage – äh no.“ „Was, überhaupt keine Nahrungsmittel in einem RV?“ „Äh ja, also Gemüse und so. Milch?“ „Na bitte, dann fahren sie mal rechts ran.“ Ein ältere Beamter mit Kartoffelnase (darf man die überhaupt an der Grenze bei sich führen?) fragt uns dann barsch mit Liste: „Was genau haben sie denn an Gemüse dabei.“ „Also ähm, Zucchini und vielleicht noch zwei Kartotten – darf ich mal eben kucken“ „NEIN, sie müssen doch wissen was sie dabei haben!“ „(???) Ok, also genau, klar wissen wir das. Eben die Zucchini und Karotten, vielleicht noch eine Tomate und Frühlingszwiebel. Milch auch. Sowas.“„Ich fragte nach Gemüse! Und Südfrüchte, Zitronen??“ „Nein, äh ja, aber die ist aus USA.“ Das spielt keine Rolle. Haben Sie tote oder lebendige Tiere dabei?“ „Äh, Wie bitte?“ „Ja, Bären, Hirsche, das kann man alles essen oder Haustiere?“„Nein keine Bären, aber ja also unseren Hund?“  „Ist der Hund im Käfig, nein? Dann bitte mal austeigen, ich inspiziere jetzt den Wagen.

Die Kinder saßen schweigend im Wohnmobil, wir standen etwas bedröppelt mit Hund davor und dann kam er wieder raus mit unserem losen Gemüse im Sackerl und belehrt uns, dass wir doch wirklich hätten wissen müssen, was wir genau in unserem Kühlschrank mitführen.. Ja und da gäb es auch keine Ausreden. Wir Europäer, wir hätten ja solche  großen, also riesen Probleme mit unseren offenen Grenzen, nicht war? Aber nicht hier in USA, nein, hier nicht. Und deshalb müssten wir jetzt auch die zwei kanadischen Holzscheitel schön nach Kanada zurückbringen. Ja, wir könne auch fahren oder aber gehen, aber bitte mit Reisepass, denn es würde die Grenze überschritten. Während die Kanadier Andre fröhlich zuwinkten und auf die große Holzkiste neben dem Wachhäuschen verwiesen, verdrückten wir eben noch landjägerartige Pfefferwürstchen, das der Grenzer übersehen hatte und wer weiß, vielleicht kam er ja nochmal mit einem Würstchensuchhund, sicher ist sicher. Köstlich so ein verbotenes rohgeräuchertes Würstchen an der Grenze.

Bei mir wurde auf jeden Fall auch eine Grenze überschritten. Oh, wie schön war da Kanada!!!

 

 

 

Ein Gedanke zu “Oh, wie schön war Kanada!

  1. Wart ihr ganz sicher nicht an der russischen Grenze?? Karotten boykotten, ja merci. Und ich dachte, die Kanadier hätten ein Obst- und Gemüsepreis-Problem, was für einen Sinn macht denn da eine heimliche Ausfuhr – in other words: HÄÄH?

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