Wo fange ich an? Ja, ich wollte vieeel regelmäßiger schreiben, ja, ich tue das wieder ab 15. März, warum? Einige wissen es schon: Wir haben im Überschwang ein Haus gekauft. Dabei dachte ich: Ein Haus in USA kaufen – when pigs can fly, also nie. Ich habe (innerlich) jedem den Vogel gezeigt, der mir das im Sommer 2015 vorgeschlagen hat und das waren ein paar. He, was? Nein wirklich nicht, wir sind doch nicht total bekloppt und ne, definitiv niemals. Mieten ist super. Ich erinnere mich noch heute an den Spruch eines Makler: Ja der Vermieter kann immer sagen: „We love you over the rainbow, but you have to move out.“ Und uns damit die Härte des amerikanischen Mietmarktes vor Augen führen wollte. Hier mietet man ja – wie vielleicht schon erwähnt – eher kurzfristig. Ein Jahr ist Standard, 6 Monate oder 2 Jahre gibts auch gelegentlich. Natürlich verlängern viele einfach Jahr für Jahr und unsere Vermieter hätten das auch noch ein, zweimal mitgemacht, aber uns schon darauf hingewiesen, dass die Miete erhöht wird.
Dann habe ich eine total nette Bekannte, die Maklerin ist und mich dann seit letztem Frühling „just for fun“ auf ihre Häusertouren mitgenommen hat, hier auf MI. Hier gibt es jeden Mittwoch „Open House“ für Makler und am Samstag „Open House“ für alle. Adresse, Preis etc. sind immer alles online gleich zu sehen und in ein open house gehen manche einfach so, mal so checken. Das hat auch mir viel Spaß gemacht – ich mag ja gerne fremde Häuser ankucken. Und ich habe ein Gefühl für den Markt entwickelt. Mhm, hört sich bisschen gespreizt an, ist aber so.
Der Markt hier ist so: Wenn Häuser gut „geprized“ (ich weiß die Mischmmasch wörter schleichen sich mittlerweile bei uns allen ein) sind und im mittleren bis unteren Preissegment liegen (also $ 600.000 bis $ 1.200.000), dann sind sie tw. innerhalb von 5 Std. wieder vom Markt und „pending“. Dann geht dieser Prozeß los, dass ein oder mehrere Interessenten ein Angebot gemacht haben, welches der Verkäufer entweder gleich annimmt oder es wird dann noch hin und her verhandelt. Also der Verkäufer hat ja seinen Wunschpreis schon in der Anzeige angegeben und meist kommt es zu einer „multiple offer situation“, also dass mehrer Leute sich gegenseitig überbieten möchten. Natürlich dauert der Prozess umso länger je teurer das Haus ist. (Bei einem 2 Mio Haus, ca 20 Tage, 4 Mio 4 Monate usw. bis es verkauft ist, ist ja ein kleinerer pool an Käufern. Aber dennoch höchst erstaunlich wie schnell hier entschieden wird) Die Seegrundstücke fangen bei 4 Mio an und man kann auch 20 Mio ausgeben. Der Paul Allan, Mitbegründer von Microsoft hat auf MI so ein Anwesen. Ein Haus wirdzu 99% über einen Makler verkauft und Menschen die Häuser kaufen wollen, haben auch einen persönlichen Makler des Vertrauens (realtor), der dann für sie mit dem anderen Makler verhandelt. Beide Makler werden am Ende vom Verkäufer bezahlt, so dass man als Käufer erstmal nicht so viele Gebühren hat. Beim Verkauf sind es zwischen 5 und 6 Prozent (für die Makler eben usw.). Hat man sich geeinigt gibt es ein paar Wochen später bis die Kredite fix gemacht wurden, die Eigentumsverhältnissse überprüft werden etc. einen „closing day“. Dazu kommt dann ein Notar in Haus. In unserem Fall im Jogginganzug und um 20.30 Uhr abends, damit auch alle Zeit zum Unterschreiben haben! Sehr erstaunlich. Und dann gehört dir die Bude oder zumindest zum Teil (das meiste gehört ja immer der Bank, nicht wahr)
Es gibt auch den Fall, dass Häuser zu lange auf dem Markt sind, weil zunächst overprized zum Beispiel und dann kann man auch runterhandeln, das haben wir gemacht und deshalb mussten wir auch nicht in 5 min entscheiden.
Ich habe lange nicht davon erzählt, weil es für uns auch sehr überraschend und durch eine Verkettung aller möglichen Umstände zustande kam und wir uns teilweise gar nicht sicher sind, ob es eine gute Idee war, da genau zwei Tage nach der Entscheidung für das Haus Trump gewählt wurde und der reißt ja neben allen möglichen Grundwerten sicherlich auch ein paar Unternehmen in den Abgrund, vielleicht auch wieder den Häusermarkt. Ansonsten stiegen und steigen die Hauspreise jährlich um 8 bis 12% im Raum Seattle. Unsere Miete wäre um 20% (in Worten zwanzig) erhöht worden, denn die Vermieter haben es dann natürlich wieder angeboten und wir hatten große Bedenken, ob überhaupt so schnell Nachmieter gefunden werden können, da wir ja theoretisch bis August (2 Jahres Vertrag) Miete hätten zahlen müssen. Aber hey, no problem, nach drei Besichtigungen wars neu vermietet und wir aus dem Vertrag entlassen. Und die neuen Mieter zahlen jetzt tatsächlich 20 % mehr als wir.
Das Gute ist, man kann Häuser hier (hopefully) auch ebenso ruckizucki wieder verkaufen. Und wir mussten unseren Kindern hoch und heilig versprechen, dass wir auf gar keinen Fall nur wegen eines Hauses jetzt für immer bleiben. Natürlich nicht. Höchstens ein, zwei Jährchen oder auch nicht.
Zum unserem neuen Haus: Viele Häuser hier sind älter und von einem Architekten namens „Ralph Anderson“ entworfen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Ralph_Anderson_(architect)
Ein Seattler, der gerne die Natur in Haus holte mit viel Glas und Holz. So auch bei unserem Haus, bei dem wir uns den Mount Rainier in fast alle Zimmer holen – wie so ne Fototapete…
Das Haus war recht gepflegt, aber es herrschten doch viele Braun-, Beige- und Grüntöne vor. Die Amerikaner im Nordwesten lieben es ja eher beige gedämpft. Ich sehe es jetzt schon nicht mehr so, aber die Häuser sind gestrichen in Rentnerjackenfarben. Ziemlich strange, auch die neuen Häuser. Außen, gut da sehe ich es ja nicht so, aber innen sollte es doch schon frischer sein.
Viele Stunden habe ich mit dem Maler diskutiert. Ein wirklich tolles Team fröhlicher Mexikaner, die einen grandiosen job gemacht und das Haus total verwandelt haben. Aber von weiß an den Wänden wollte der Chef nichts wissen. „It will look, like a hospital“ „Yes but, you know in Germany we like light walls, mostly white“ „Yes, but it still, will look like a hospital“ Ja ok, ich habe es verstanden. Dann habe ich zwischen 97 verschiedenen Weißgrauvanillebeigehell Tönen entscheiden müssen. „No Tino, thats too dark“ „No it is not dark, a lot of people like it and the white doors have to pop out, you know! I wanna show my work“ „Ok, but lets take the „Natural Choice, it is a big difference between white and this color“ „Only if we take double tint“ Und so weiter und so weiter. Ja am Ende haben wir jetzt ein cremeweiß, eben „Natural Choice“ genannt und viele, viele „accent colors“ an einigen Wänden. Valentins Zimmer hat die Farbe eine Granny Smith Apfels, Sophies Zimmer ist bananengelb und das kann nur dauerhaft gute Laune bedeuten (in diesem Alter seeeehhhr wichtig) und das Gäste Arbeitszimmer ist wieder natural und beruhigendes babyblau – ein Traum. Im Badezimmer wiederum – ach sehts Euch selber an, ich schicke ein Fotos, wenn alles fertig ist.
Was ein „contractor“ ist und warum wir den am Ende auch noch brauchten, erzähle ich euch demnächst. Jetzt muss ich Kissen packen, wir ziehen nächste Woche um!!!