Alle Tassen im Schrank?

Diese freche Frage hat mir eine meiner lieben Kolleginnen geschickt und auch sonst habe ich den Eindruck mit meinem Aussortierpost einen Nerv getroffen zu haben. Ich will mich ja hier nicht offenbaren als ANA „AnonymeNichtAufräumerin“ oder Tipps geben unter WWL „Wegwerfenleichtgemacht“. Aber ein wenig ausholen, das darf sein oder? Liebe Kommentatorinnen, wenn ihr wüsstest wie viele Bücher ich zu dieser Thematik schon gelesen habe, sogar RTL Sendungen deren Titel ich über die letzten Monate vergessen habe (hier sehe ich glücklicherweise nur ZDF und ARD) – habe ich mir angesehen. Etwas wie „Messi Chaos“  in denen Menschen mit Kameras bei anderen Menschen, oft mit Zahnlücke, über Berge von Abfall, Zeitungsstapel und Dosen steigen, um dann in verschimmelten Küchen auf Mäusenester zu stoßen. Ich dachte dann immer, supi ich doch nur ein bisschen unordentlich, bzw eigentlich doch total organisiert und alles halb so wild! Schon vor Jahren habe ich in „Feng-Shui gegen das Gerümpel im Alltag“ gelesen, wie befreiend es ist, sich von allem zu trennen, das man nicht liebt (ja N.H.!). Auch von Dingen, die man erst reapieren müsste (nur eben die Batterie auswechseln, das ist ja nicht reapieren oder? Wo sind eigentlich neue Batterien?) oder die zu eng sind (also wenn ich den Bauch ein bisschen einziehe und man soll ja ruhig körperbetont tragen), die man von einem netten Menschen bekommen hat, einem aber trotzdem nicht gefallen (Aha, soll ich also sagen, sorry das ist aber hässlich und so was Geschmackloses, gut, dass ich jetzt jede Woche auf den Wertstoffhof fahre), womit die Kinder nicht mehr spielen (wenn sie aber wie ich mit 13 noch mal die Kasette „Pumuckl und der Schnupfen“ anhören möchten und dieses Kulturgut an meine Enkel weitergeben wollen???) Außerdem sind Lehrerinnen sowieso verkappte oder offenene Sammlerinnen. (Damit könnte ich ne super Stunde zum Thema … machen. Ui damit können wir mal…. basteln.) Ich kenne Menschen in Deutschland und auch hier in USA, die strikt der Regel „Habe ich ein Jahr nicht benutzt, brauche ich vermutlich nie wieder, weg damit“ leben. Und was wenn doch? Dann stehn wir da. Ihr seht, absolut zweckloses Unterfangen. Ich habe schon kurz überlegt einen Aufräum Blogg zu schreiben. „Mein Wandel vom Messie zum Oragnizer“ oder so. Und man soll ja dann auf einmal auch plötzlich Gewinne machen und Geld überwiesen bekommen etc. wenn man sich von seinem Gerümpel trennt. Mal sehen, wenn mir nicht besseres einfällt, dann entrümpel ich eben. Oder kauf erstmal weniger ein, nicht wahr, das hilft auch und ist hier in USA auch gaaaanz einfach. Zunächst habe ich aber noch eben das Buch gekauft: „the life-changing magic of tidying up – the Japanese art of decluttering and oranizing“ (das war das auf das ihr euch bezogen habt, oder?) zumindest versucht zu lesen – bin aber nicht vorangekommen. Denn mein Leben hätte sich dann so dramatisch verändert, das war mir dann zu magic und ich hab eh schon genug Drama.

Statt dessen kurzer Blick ins Ostersortiment dieses Jahr

 

Wer kann da schon aufs Kaufen verzichten? Immerhin kann man sie im Bauchraum verstauen, diese Einkäufe. Das Wetter ist weniger österlich, statt dessen ist dieses Jahr wiedermal der Winter mit den höchsten Niederschlagsmengen seit den 60er Jahren – das war irgendwie letztes Jahr ähnlich und deshalb ein paar Regenfotos. Macht also nichts, dass ich zwei Wochen lang nur meine Gummistiefel ausgepackt hatte.

We made it und jetzt Kissen auspacken…

Natürlich habe ich nicht vorwiegend Kissen ein- und ausgepackt, das war ein Tippfehler 🙂 Und ich habe ganz vergessen, wie lange das Kissen also Kisten auspacken dauert… Eigentlich wollte ich letzten Samstag schreiben: It was a breeze. Ich bin so stolz, dass wir es diesmal so gut hinbekommen haben und alles gepackt war. Und diese Umzugsmänner, amazing. Alles größer hier in den USA, hab ich das vielleicht schon mal erwähnt. Irma würde jetzt sagen: Männer sind so stark und haben „one, two, three“ unser Vollholzbüffett geliftet als wäre es aus Pappe.

Wie bei jedem Umzug spielte ich währenddessen mit dem Gedanken künftig in einer Klosterzelle mit zwei Kutten zum Wechseln, einem PC und einem E-Reader zu leben, maximal noch einem Block und einem Bleistift (nein nicht 500) einem paar Schuhe und drei Unterhoserln. Vor allem wenn man nach einer Woche die 23. Tasse auspackt und denkt: „Es ging jetzt eine Woche ganz prima ohne dich. Warum habe ich dich seit meinen 7 Umzügen eigentlich immer mitgenommen?“ Das war nicht nur diese eine Tasse, glaubt mir. Dementsprechend packe ich noch aus und ab und an kommt noch der Alan unser Contractor vorbei.

Also wenn einer ein Haus komplett umbaut, sucht er sich einen General  Contractor. Das ist eine Art Bauleiter/Architekt/Baumeister… Ich bin mir nicht sicher ob es dafür eine Ausbildung gibt. Ah, natürlich gibts dazu was auf wiki…

https://en.m.wikipedia.org/wiki/General_contractor

Entsprechend ist das immer so ein Glücksspiel. Wir brauchten ja nicht viel umzubauen und hatten dafür eine Empfehlung von den Nachbarn, konnten vergleichen mit dem was unsere anderen, französischen Nachbarn, für Erfahrungen hatten etc.

Unserer Contractor ist ein wenig untypisch, sein Vater hat jahrlang in Tübingen an der Uni gearbeitet und die ganze Familie fährt jedes zweite Jahr nach Deutschland und Alan selbst, frisch verheirateter amerikanischer Hühne, der schreinern, Fliesen legen und viele Sachen selber kann, hat sich ganz bewusst für diesen handwerklichen Beruf entschieden und ist  ein überlegter, ruhiger Typ. Er hat dann die anderen Handwerker, die er für das Projekt Masterbath brauchte, als subcontractors eingestellt und uns dann deren Rechnung mit Aufschlag in Rechnung gestellt. Weil das hier so läuft habe ich diejenigen Gewerke beauftragt, die ich mir selber zutraute zu „managen“ – ich habe ja schon mal quasi Bauleitung gemacht nicht wahr, Bauleitung ist mein zweiter Vorname. (Ich wurde von den Handwerkern Chefin genannt, mei war des schee.“He Chefin, die Metall Balken, bleibn die so? Des schaut nämlich total scheiße aus“ (um nur ein Highlight aus Pöcking zu nennen). Also Maler, Bodenleger, Holzbodenrefinisher, Fensterauswechsler habe ich bestellt, bezahlt fertig. Plumbers (keine Pflaumen, sondern Installateur), Electricians und Duschglaseinbauer hat Alan noch mit dazugeholt. Bis auf eine paar Kleinigkeiten (Irgendwas is immer) hat es ziemlich gut geklappt.

Im Unterschied zu Deutschland sind die Handwerks“meister“ hier gibts ja keine Ausbildung in dem Sinne für diese ganzen Menschen, deshalb wieder „Glücksspiel“-  tw. 70+, Rente gibts auch nicht hier. Bei drei Gewerken wusste ich wirklich nicht, ob da jetzt der Opa mitgekommen ist, damit er mal rauskommt, aber nein es war der Chef. Diese ältern Herren sind super lustig, eh klar, teilweise sehr schwer zu verstehen für mich vor allem, weil da ja Fachbegriffe herumfliegen, aber ich bin beeindruckt bzw. ist es schon bedrückend, dass die Menschen hier so wenig abgesichert sind und man bis ins hohe Alter arbeiten muss.

Dazu passt, dass Sabine mich auch auf den SZ Artikel hingewiesen hat…

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45737/Ein-Baby-bedeutet-kein-Job-und-keine-Versicherung

Ich habs gleich mit meiner amerikanischen Spaziergehfreundin besprochen, die sagt, ja das ist so. Mit viel Glück und unbezahltem Urlaub kannst du vielleicht 3 Monate pausieren und dann deine Eltern einspannen (sofern vorhanden) und dann vielleicht erst mit 6 Monaten das Kind abgeben. Und Alan, dessen Frau gerade das erste Kind erwartet, sagt ja eine gute Kinderbetreuung kostet  $ 30.000 im Jahr und eine Lehrerin verdient $ 50.000, da bleibt nicht so viel über. Weshalb sie jetzt auch den job gewechselt hat und mit ihm im Team arbeitet, um z.B. Kundinnen wie mich bei der Auswahl der Fliesen, der Farben, des interior design zu beraten, die Buchhaltung zu machen etc. und das Baby dabei haben zu können.

Hier gilt absolut, du bist deines Glückes Schmied und wenn es nicht klappt, dann hast du eben nicht hart genug gearbeitet. Sorry. Vielleicht führt ja der Trump die Sozial-Demokratie ein (ich weiß diese immer mehr zu schätzen!!!) wobei die politischen Systeme inn Europa wie z.B. in Schweden als kompletter Sozialismus aus USA Sicht angesehen werden.

Zur Aufheiterung noch ein Link: Ich habe sehr geschmunzelt und wenn es auch nicht mehr ganz so ist, meine Kinder kennen die ein oder andere Situation. Definitiv wurde ich schon von Ihnen dabei ertappt und gerügt, weil ich alles toaste was hier als Brot verkauf wird – lest bitte selbst:

http://germangirlinamerica.com/when-your-parents-are-german/

In diesem Sinne, immer schön lüften und die Fleischplatte auftischen. Fotos demnächst…

 

 

 

When pigs can fly!

Wo fange ich an? Ja, ich wollte vieeel regelmäßiger schreiben, ja, ich tue das wieder ab 15. März, warum? Einige wissen es schon: Wir haben im Überschwang ein Haus gekauft. Dabei dachte ich: Ein Haus in USA kaufen – when pigs can fly, also nie. Ich habe (innerlich) jedem den Vogel gezeigt, der mir das im Sommer 2015 vorgeschlagen hat und das waren ein paar. He, was? Nein wirklich nicht, wir sind doch nicht total bekloppt und ne, definitiv niemals. Mieten ist super. Ich erinnere mich noch heute an den Spruch eines Makler: Ja der Vermieter kann immer sagen: „We love you over the rainbow, but you have to move out.“ Und uns damit die Härte des amerikanischen Mietmarktes vor Augen führen wollte. Hier mietet man ja – wie vielleicht schon erwähnt – eher kurzfristig. Ein Jahr ist Standard,  6 Monate oder 2 Jahre gibts auch gelegentlich. Natürlich verlängern viele einfach Jahr für Jahr und unsere Vermieter hätten das auch noch ein, zweimal mitgemacht, aber uns schon darauf hingewiesen, dass die Miete erhöht wird.

Dann habe ich eine total nette Bekannte, die Maklerin ist und mich dann seit letztem Frühling „just for fun“ auf ihre Häusertouren mitgenommen hat, hier auf MI. Hier gibt es jeden Mittwoch „Open House“ für Makler und am Samstag „Open House“ für alle. Adresse, Preis etc. sind immer alles online gleich zu sehen und in ein open house gehen manche einfach so, mal so checken. Das hat auch mir viel Spaß gemacht – ich mag ja gerne fremde Häuser ankucken. Und ich habe ein Gefühl für den Markt entwickelt. Mhm, hört sich bisschen gespreizt an, ist aber so.

Der Markt hier ist so: Wenn Häuser gut „geprized“ (ich weiß die Mischmmasch wörter schleichen sich mittlerweile bei uns allen ein) sind und im mittleren bis unteren Preissegment liegen (also $ 600.000 bis $ 1.200.000), dann sind sie tw. innerhalb von 5 Std. wieder vom Markt und „pending“. Dann geht dieser Prozeß los, dass ein oder mehrere Interessenten ein Angebot gemacht haben, welches der Verkäufer entweder gleich annimmt oder es wird dann noch hin und her verhandelt. Also der Verkäufer hat ja seinen Wunschpreis schon in der Anzeige angegeben und meist kommt es zu einer „multiple offer situation“, also dass mehrer Leute sich gegenseitig überbieten möchten. Natürlich dauert der Prozess umso länger je teurer das Haus ist. (Bei einem 2 Mio Haus, ca 20 Tage, 4 Mio 4 Monate usw. bis es verkauft ist, ist ja ein kleinerer pool an Käufern. Aber dennoch höchst erstaunlich wie schnell hier entschieden wird) Die Seegrundstücke fangen bei 4 Mio an und man kann auch 20 Mio ausgeben. Der Paul Allan, Mitbegründer von Microsoft hat auf MI so ein Anwesen. Ein Haus wirdzu 99% über einen Makler verkauft und Menschen die Häuser kaufen wollen, haben auch einen persönlichen Makler des Vertrauens (realtor), der dann für sie mit dem anderen Makler verhandelt. Beide Makler werden am Ende vom Verkäufer bezahlt, so dass man als Käufer erstmal nicht so viele Gebühren hat. Beim Verkauf sind es zwischen 5 und 6 Prozent (für die Makler eben usw.). Hat man sich geeinigt gibt es ein paar Wochen später bis die Kredite fix gemacht wurden, die Eigentumsverhältnissse überprüft werden etc. einen „closing day“. Dazu kommt dann ein Notar in Haus. In unserem Fall im Jogginganzug und um 20.30 Uhr abends, damit auch alle Zeit zum Unterschreiben haben! Sehr erstaunlich. Und dann gehört dir die Bude oder zumindest zum Teil (das meiste gehört ja immer der Bank, nicht wahr)

Es gibt auch den Fall, dass Häuser zu lange auf dem Markt sind, weil zunächst overprized zum Beispiel und dann kann man auch runterhandeln, das haben wir gemacht und deshalb mussten wir auch nicht in 5 min entscheiden.

Ich habe lange nicht davon erzählt, weil es für uns auch sehr überraschend und durch eine Verkettung aller möglichen Umstände zustande kam und wir uns teilweise gar nicht sicher sind, ob es eine gute Idee war, da genau zwei Tage nach der Entscheidung für das Haus Trump gewählt wurde und der reißt ja neben allen möglichen Grundwerten sicherlich auch ein paar Unternehmen in den Abgrund, vielleicht auch wieder den Häusermarkt. Ansonsten stiegen und steigen die Hauspreise jährlich um 8 bis 12% im Raum Seattle. Unsere Miete wäre um 20% (in Worten zwanzig) erhöht worden, denn die Vermieter haben es dann natürlich wieder angeboten und wir hatten große Bedenken, ob überhaupt so schnell Nachmieter gefunden werden können, da wir ja theoretisch bis August (2 Jahres Vertrag) Miete hätten zahlen müssen. Aber hey, no problem, nach drei Besichtigungen wars neu vermietet und wir aus dem Vertrag entlassen. Und die neuen Mieter zahlen jetzt tatsächlich 20 % mehr als wir.

Das Gute ist, man kann Häuser hier (hopefully) auch ebenso ruckizucki wieder verkaufen. Und wir mussten unseren Kindern hoch und heilig versprechen, dass wir auf gar keinen Fall nur wegen eines Hauses jetzt für immer bleiben. Natürlich nicht. Höchstens ein, zwei Jährchen oder auch nicht.

Zum unserem neuen Haus: Viele Häuser hier sind älter und von einem Architekten namens „Ralph Anderson“ entworfen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Ralph_Anderson_(architect)

Ein Seattler, der gerne die Natur in Haus holte mit viel Glas und Holz. So auch bei unserem Haus, bei dem wir uns den Mount Rainier in fast alle Zimmer holen – wie so ne Fototapete…

 

Das  Haus war recht gepflegt, aber es herrschten doch viele Braun-, Beige- und Grüntöne vor. Die Amerikaner im Nordwesten lieben es ja eher beige gedämpft. Ich sehe es jetzt schon nicht mehr so, aber die Häuser sind gestrichen in Rentnerjackenfarben. Ziemlich strange, auch die neuen Häuser. Außen, gut da sehe ich es ja nicht so, aber innen sollte es doch schon frischer sein.

Viele Stunden habe ich mit dem Maler diskutiert. Ein wirklich tolles Team fröhlicher Mexikaner, die einen grandiosen job gemacht und das Haus total verwandelt haben. Aber von weiß an den Wänden wollte der Chef nichts wissen. „It will look, like a hospital“ „Yes but, you know in Germany we like light walls, mostly white“ „Yes, but it still, will look like a hospital“ Ja ok, ich habe es verstanden. Dann habe ich zwischen 97 verschiedenen Weißgrauvanillebeigehell Tönen entscheiden müssen. „No Tino, thats too dark“ „No it is not dark, a lot of people like it and the white doors have to pop out, you know! I wanna show my work“ „Ok, but lets take the „Natural Choice, it is a big difference between white and this color“ „Only if we take double tint“ Und so weiter und so weiter. Ja am Ende haben wir jetzt ein cremeweiß,  eben „Natural Choice“ genannt und viele, viele „accent colors“ an einigen Wänden. Valentins Zimmer hat die Farbe eine Granny Smith Apfels, Sophies Zimmer ist bananengelb und das kann nur dauerhaft gute Laune bedeuten (in diesem Alter seeeehhhr wichtig) und das Gäste Arbeitszimmer ist wieder natural und beruhigendes babyblau – ein Traum. Im Badezimmer wiederum – ach sehts Euch selber an, ich schicke ein Fotos, wenn alles fertig ist.

Was ein „contractor“ ist und warum wir den am Ende auch noch brauchten, erzähle ich euch demnächst. Jetzt muss ich Kissen packen, wir ziehen nächste Woche um!!!