We made it und jetzt Kissen auspacken…

Natürlich habe ich nicht vorwiegend Kissen ein- und ausgepackt, das war ein Tippfehler 🙂 Und ich habe ganz vergessen, wie lange das Kissen also Kisten auspacken dauert… Eigentlich wollte ich letzten Samstag schreiben: It was a breeze. Ich bin so stolz, dass wir es diesmal so gut hinbekommen haben und alles gepackt war. Und diese Umzugsmänner, amazing. Alles größer hier in den USA, hab ich das vielleicht schon mal erwähnt. Irma würde jetzt sagen: Männer sind so stark und haben „one, two, three“ unser Vollholzbüffett geliftet als wäre es aus Pappe.

Wie bei jedem Umzug spielte ich währenddessen mit dem Gedanken künftig in einer Klosterzelle mit zwei Kutten zum Wechseln, einem PC und einem E-Reader zu leben, maximal noch einem Block und einem Bleistift (nein nicht 500) einem paar Schuhe und drei Unterhoserln. Vor allem wenn man nach einer Woche die 23. Tasse auspackt und denkt: „Es ging jetzt eine Woche ganz prima ohne dich. Warum habe ich dich seit meinen 7 Umzügen eigentlich immer mitgenommen?“ Das war nicht nur diese eine Tasse, glaubt mir. Dementsprechend packe ich noch aus und ab und an kommt noch der Alan unser Contractor vorbei.

Also wenn einer ein Haus komplett umbaut, sucht er sich einen General  Contractor. Das ist eine Art Bauleiter/Architekt/Baumeister… Ich bin mir nicht sicher ob es dafür eine Ausbildung gibt. Ah, natürlich gibts dazu was auf wiki…

https://en.m.wikipedia.org/wiki/General_contractor

Entsprechend ist das immer so ein Glücksspiel. Wir brauchten ja nicht viel umzubauen und hatten dafür eine Empfehlung von den Nachbarn, konnten vergleichen mit dem was unsere anderen, französischen Nachbarn, für Erfahrungen hatten etc.

Unserer Contractor ist ein wenig untypisch, sein Vater hat jahrlang in Tübingen an der Uni gearbeitet und die ganze Familie fährt jedes zweite Jahr nach Deutschland und Alan selbst, frisch verheirateter amerikanischer Hühne, der schreinern, Fliesen legen und viele Sachen selber kann, hat sich ganz bewusst für diesen handwerklichen Beruf entschieden und ist  ein überlegter, ruhiger Typ. Er hat dann die anderen Handwerker, die er für das Projekt Masterbath brauchte, als subcontractors eingestellt und uns dann deren Rechnung mit Aufschlag in Rechnung gestellt. Weil das hier so läuft habe ich diejenigen Gewerke beauftragt, die ich mir selber zutraute zu „managen“ – ich habe ja schon mal quasi Bauleitung gemacht nicht wahr, Bauleitung ist mein zweiter Vorname. (Ich wurde von den Handwerkern Chefin genannt, mei war des schee.“He Chefin, die Metall Balken, bleibn die so? Des schaut nämlich total scheiße aus“ (um nur ein Highlight aus Pöcking zu nennen). Also Maler, Bodenleger, Holzbodenrefinisher, Fensterauswechsler habe ich bestellt, bezahlt fertig. Plumbers (keine Pflaumen, sondern Installateur), Electricians und Duschglaseinbauer hat Alan noch mit dazugeholt. Bis auf eine paar Kleinigkeiten (Irgendwas is immer) hat es ziemlich gut geklappt.

Im Unterschied zu Deutschland sind die Handwerks“meister“ hier gibts ja keine Ausbildung in dem Sinne für diese ganzen Menschen, deshalb wieder „Glücksspiel“-  tw. 70+, Rente gibts auch nicht hier. Bei drei Gewerken wusste ich wirklich nicht, ob da jetzt der Opa mitgekommen ist, damit er mal rauskommt, aber nein es war der Chef. Diese ältern Herren sind super lustig, eh klar, teilweise sehr schwer zu verstehen für mich vor allem, weil da ja Fachbegriffe herumfliegen, aber ich bin beeindruckt bzw. ist es schon bedrückend, dass die Menschen hier so wenig abgesichert sind und man bis ins hohe Alter arbeiten muss.

Dazu passt, dass Sabine mich auch auf den SZ Artikel hingewiesen hat…

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45737/Ein-Baby-bedeutet-kein-Job-und-keine-Versicherung

Ich habs gleich mit meiner amerikanischen Spaziergehfreundin besprochen, die sagt, ja das ist so. Mit viel Glück und unbezahltem Urlaub kannst du vielleicht 3 Monate pausieren und dann deine Eltern einspannen (sofern vorhanden) und dann vielleicht erst mit 6 Monaten das Kind abgeben. Und Alan, dessen Frau gerade das erste Kind erwartet, sagt ja eine gute Kinderbetreuung kostet  $ 30.000 im Jahr und eine Lehrerin verdient $ 50.000, da bleibt nicht so viel über. Weshalb sie jetzt auch den job gewechselt hat und mit ihm im Team arbeitet, um z.B. Kundinnen wie mich bei der Auswahl der Fliesen, der Farben, des interior design zu beraten, die Buchhaltung zu machen etc. und das Baby dabei haben zu können.

Hier gilt absolut, du bist deines Glückes Schmied und wenn es nicht klappt, dann hast du eben nicht hart genug gearbeitet. Sorry. Vielleicht führt ja der Trump die Sozial-Demokratie ein (ich weiß diese immer mehr zu schätzen!!!) wobei die politischen Systeme inn Europa wie z.B. in Schweden als kompletter Sozialismus aus USA Sicht angesehen werden.

Zur Aufheiterung noch ein Link: Ich habe sehr geschmunzelt und wenn es auch nicht mehr ganz so ist, meine Kinder kennen die ein oder andere Situation. Definitiv wurde ich schon von Ihnen dabei ertappt und gerügt, weil ich alles toaste was hier als Brot verkauf wird – lest bitte selbst:

http://germangirlinamerica.com/when-your-parents-are-german/

In diesem Sinne, immer schön lüften und die Fleischplatte auftischen. Fotos demnächst…

 

 

 

2 Gedanken zu “We made it und jetzt Kissen auspacken…

  1. Kisten auspacken…also die richtige Frage an die Tasse Nr. 23 wäre gewesen: Machst Du mich glücklich? Das behauptet jedenfalls Marie Kondo, Magic Cleaning. Deutscher Untertitel: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert. Äh, ein ganzes Buch über Aufräumen? Das hatten wir doch schon mit Simplify your life…Nein, es ist doch anders. Ausgehend von einer Gesellschaft totalen Überflusses, in der notwendige Dinge jederzeit verfügbar sind und vorhandene Dinge deshalb nicht sorgsam gehütet werden müssen für den Fall der Fälle, fragt sie bei jedem Ding nur: Machst Du mich glücklich? Bei Dingen, die uns früher glücklich gemacht haben, aber ausgedient haben, sollen wir uns bedanken und sie wegwerfen. Das gilt auch für Dinge, die wir gekauft haben, sie aber doch nicht brauchen oder mögen – danke für die Lektion und hopp, ab in den Müll (andere Verwertungsmöglichkeiten werden leider nicht diskutiert). Die Grundidee ist, nur noch von Gegenständen, die uns glücklich machen, umgeben zu sein. Schöne Vorstellung. Wenn ich allerdings in meinem Büro die vielen Akten sehe – sollte ich die vielleicht auch….?!? – aber dann wäre ich wohl auch nicht glücklich :-).

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  2. CONGRATULATIONS Julia!
    Da weiß ich ja, wen ich frage, wenn’s bei uns mal (wieder) so weit ist!
    Die Germangirl-Seite ist ja auch sehr putzig – Aufschnitt und „es zieht“ und lüften, okay, aber Moment mal, bei den eggcups lässt mich meine US Landeskunde im Stich: wo können weiche Eier denn sonst sein, wenn nicht in Eierbechern? (ÄHH HALLLOOO??? NEIN!!! Also was denkt ihr denn da bitte von mir… Also echt jetzt… blush)
    Und @ NH: Die Aufräum-Königin könnte mir sicher auch weiterhelfen (blush again), aber das mit dem Wegwerfen ist ja in der heutigen Zeit echt daneben. Gut, in Tokyo ist die Flüchtlingskrise nicht sooo spürbar, aber das Konzept Nachhaltigkeit ist doch gar nicht so unjapanisch, oder? (ich denke da an Muji) Und OMG: Folding tutorials? Was es alles gibt…

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