Übers Verdrängen …

Einer unsererLehrer in Burghausen hat mal gesagt, der Mensch überlebt eh überhaupt nur, weil das Gehirn ständig alles was uns zu sehr belasten würde verdrängt. In diesem Sinne liebe Kommentartorin N. verdränge einfach die geplante Stauraumverkleinerung! Ich sehe bei deinem Oragnisationstalent und deiner Umzugserfahrung ohnehin kein Problem. Außerdem ist das Minihaus ja jetzt total in und man lebt darin mit Dingen die in einen Koffer passen (da müsste ich allderings noch mehrere Jahre aussortieren, geht schon los mit welchen Koffer ich da überhaupt wähle). Über die Möblierung in der Gästewohnung können wir tatsächlich gerne verhandeln, den Mann und seine Kisten müsstest du allerdings schon mitumziehen (Man sollte ja nichts doppelt haben).

Und liebe S., ich habe auch manchmal vor lauter Verdrängen, die „ist eh alles wurscht“ Haltung eingenommen. Die brauche ich hier generell recht häufig, denn für ihre großartige Umweltpolitik waren die US Bürger nicht bekannt und es wird nicht besser, oder? Trump probiert lieber die Mutter aller Bomben aus, anstatt mal Flaschenpfand einzuführen. Ich darf in meine Recyclingtonne (wie vielleicht erwähnt) Dosen, Glas, Papier, Plastik, Metall, Styropor uvm. legen und verdränge wer das dann wo wie und ob überhaupt wieder auseinanderklamüsert. Dazu verdränge noch wie es meiner türkischen Freundin hier geht, die sich erstmals diesen Sommer nicht zurückfliegen traut, um ihre Verwandten und Freunde zu treffen. Ich verdränge, dass der Kim Jong-un, wenn überhaupt, dann die Westküste der USA mit seinen Langstreckenraketen erreicht und sowieso verdränge ich Flüchtlinge aus Syrien und Afganistan, den Hunger in Jemen, Somalia, Nigeria, Äthiopien, ach komplett Afrika muss ich verdrängen. Wenn man erstmal anfängt, kann man im Moment gar nicht mehr aufhören mit der Verdrängerei.

So saß ich gestern bedröppelt herum, verdrängte vor mich hin. Ostermontag wird hier ganz allgemein nicht gefeiert, statt dessen sind die Kinder mit einem Schokohasen (gegen das Verdrängen) in der Lunchbag losgtrabt.

Am Wochenende (Ende der Sping Break) waren wir spontan am Strand in der Nähe von Aberdeen (wo der Kurt Cobain aufgewachsen ist). Aberdeen selbst ist reichlich trostlos, und da der Kurti sich das von der Seele gesungen (statt verdrängt) hat, kann man sich auch heute noch anhand der Lieder ein Stimmungsbild von der Stadt machen, ohne selbst dort zu verweilen.

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Nach einem „Come as you are“ und einer Stadtdurchfahrt ist es wirklich gut und man hält dann besser Richtung Norden, wo wie Olympic Peninsula endet und endlose, großteils unbebebaute Strandabschnitte warten und gerade die Saison der Razor Clams zu Ende geht.

Bildergebnis für Razor Clams

Das sind lange Muscheln, die sich ganz schnell senkrecht nach unten in den nassen Sand eingraben und deshalb nur mit bestimmten Equipment (sieht aus wie ein überdimendionaler Tulpenzwiebelstecher) herausgeholt werden. Man darf nur eine bestimmte Anzahl sammeln und dann zum Beispiel  in ein lecker Clam Chowder  Bildergebnis für clam chowderverarbeiten. Wir haben das ganze nur mit großem Erstaunen beobachtet – he wo kommen denn plötzlich diese hundert Menschen her. Die durften dann auch noch mit dem Auto an und auf den Strand fahren…. Bei Flut sind sie alle wieder weg.

Und am Sonntag dann Lunch in Seabrook. Eine neu gegründete Stadt und die ist so süß und lieblich ist, dass es auch eine Filmkulisse sein könnte.

Bildergebnis für Seabrook State Washington

Ist es aber nicht. Dort leben seit 2004 echte Menschen, es gibt eine Schule, eine Kirche, ein paar Läden, aber man kann sehr viele der Häuser auch für de Urlaub mieten. Ich schätze 50 % der 200 Häuser sind Privathäuser und 50% Ferienhäuser, mit und ohne Meerblick, petfriendly oder no dogs please. Alle Häuser sind im gleichen für mich „Ostküsten-Craftmans-Style“ gebaut. Sehr schick und das ist wirklich wie Disneyland. Man kann ganz wunderbar alles Verdrängen. Das Leben ist schön, die Sonne scheint, verweile Augenblick….

 

Ein Gedanke zu “Übers Verdrängen …

  1. Julieeeta, in welch finstre Finsternus hab ich dich (doch hoffentlich nicht!) gestoßen? Carpe einfach diem, und carpe clams, carpe daffodlls, und carpe was sich sonst alles noch zu carpen lohnt!

    Zwecks Aufhellung derselbigen zwei hübsche (?) Verdrängungsanekdötchen:
    Mein Kind verdrängt mit Vorliebe schmutzige Wäsche. Nicht die im übertragenen Sinne, die hat er noch nicht so – glaub ich… sondern die ganz buchstäblich dreckige. Er verdrängt sie auch ganz buchstäblich. Unter seinen Kleiderschrank. Irgendwann merkt die Wäschebeauftragte dann, dass, komisch, in der Wäsche kaum Kindersöckchen und -höschen sind. Ungefähr gleichzeitig merkt die kritische Mutternase, dass der Geruch im Kinderzimmer strenger wird. OH MANN WIE SOLL DAS ERST IN DER PUBERTÄT WERDEN? Denn jetzt ist das Schlampigsein ja nur Faulheit – nicht Selbstzweck und nicht Protest.
    Und dann noch eigene Verdrängerei – so krass. Ich hatte mal einen sehr verliebten Freund aus der weit entfernten Stadt B.. Habe, auch sehr verliebt, bei ihm und seiner psychisch kranken Mutter ein paar extrem anstrengende Ferientage verbracht und bald darauf die Beziehung – per Brief – beendet. Der Rest der Familie war noch schlimmer und einfach zu viel für mich, und die ganze Geschichte unterm Strich dann wohl auch. Nämlich: 15 Jahre später zieht meine beste Freundin nach B., erzählt vom neuen Haus, von der Adresse, vom Umbau. Ich sage, ach das Stadtviertel kenn ich ein bisschen, irgendwo da in der Nähe von diesem Park hat auch X. gewohnt. Ich besuche sie einmal, zweimal für ein paar Tage, und gegen Ende des zweiten Besuchs nähere ich mich dem Haus erstmals aus der anderen Richtung und stelle fest, dass der nicht „irgendwo da“ sondern in DERSELBEN STRASSE, 3 HÄUSER WEITER gewohnt hat. Und ja, ich BIN die mit der großen Affinität zum klassischen Briefeschreiben, ergo Adressen, zu Landkarten und Stadtpänen und… oh well. I was really completely off the socks!

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