Der Berg

Meine Güte 17. Mai habe ich das letzte Mal geschrieben, jetzt wird es aber wieder mal Zeit! Ich wollte über den Mount Rainier, Schule und Lacrosse und unsere Vorfreude schreiben und dann vielleicht die Bloggerei beenden, denn nächsten Monat sind es zwei Jahre, dass wir hier sind und da gibts ja nicht mehr ständig Neues nicht wahr.

Also Mount Rainier zuerst. Unser lieber Besuch aus Tutzing hat uns bestätigt, dass dieser Berg was Besonderes ist. Seit wir hier an der Südspitze wohnen, ist eine gängige Frage am Morgen (an den jeweils früher Aufstehenden und das bin nicht ich) Ist er heute da? Oder morgentlicher Ausruf im Bad: Ui, er ist da! Das hört sich ziemlich bescheuert an, wenn man das so liest, aber Nicola weiß was ich meine. Und sie hat mich auch dazu bewegt, endlich mal ein wenig zu recherchieren, denn „also der muss ja den Indiandern heilig gewesen sein“ und siehe da, war er bzw. sie, ich zitiere:

„Für die Indianer war der Berg eine Göttin und er wurde in zahlreichen Sprachen Takhoma genannt, möglicherweise abgeleitet von dem Puyallup-Wort tacobet. Die Bedeutung dieses Wortes war in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich und hing mit der jeweiligen Lebenssituation der Indianer zusammen, so konnte es Großer Berg, Schneespitze oder Ort, von dem das Wasser kommt bedeuten. Die Legenden der Indianer berichten von den Launen der Göttin, die ohne Vorwarnung Blitze vom Himmel schleuderte und Überschwemmungen schickte, die ganze Wälder zerstörte. Eine andere Legende weiß, dass der weibliche Berg Takhoma von den anderen Bergen vertrieben wurde, und dass ihr Sohn nun das Wasser bereithalten musste. Auf dieser Legende basiert die Deutung des Namens als Wasserjunge. In jedem Falle wurde der Berg gelegentlich zu spirituellen Zwecken aufgesucht, insbesondere, um eine Schutzmacht zu finden.

George Vancouver, der 1792 in den Puget Sound hineinsegelte, war der erste Europäer, der den Berg zu Gesicht bekam. Er benannte ihn nach seinem Freund Admiral Peter Rainier.

1833 erforschte William Tolmie das Gebiet auf der Suche nach medizinisch nutzbaren Pflanzen. Nach ihm folgten weitere Forscher. Hazard Stevens und Philemon Beecher van Trump waren die ersten, denen es 1870 gelang, den Gipfel zu erreichen; sie wurden dafür wie Helden gefeiert, John Muir folgte 1888. Muir war einer von vielen, der empfahl, den Berg zu schützen. Im Jahr 1893 wurde das Gebiet der Pacific Forest Reserve hinzugefügt, um seine natürlichen Ressourcen wie Bäume und das Wasser der Flüsse und Bäche zu schützen.

In der Hoffnung, den Tourismus zu fördern, forderten die Eisenbahngesellschaften und die lokalen Geschäfte die Schaffung eines Nationalparks. Am 2. März 1899 erklärte Präsident William McKinley das Gebiet zum Mount-Rainier-Nationalpark, dem fünften US-amerikanischen Nationalpark.

2012 entstand eine Initiative zur Wiederherstellung des indigenen Namens.

Heute ist es so, dass man sagt, wenn der Mount Rainier zu sehen ist sind alle happy. Man kann ihn wohl nur rund 90 Tage im Jahr sehen, und wenn er in Wolken gehüllt ist, heißt das oft auch in Seattle keine Sonne und meist dazu noch (a bissl) Regen. Ich wünsche mir an jedem dieser 90 Tage eine Kamera mit der ich die jeweilige Stimmung auch wirklich einfangen kann, auch die beste Handykamera kann das nicht wirklich…

Manchmal erscheint er riesig und klar, abends verfärbt er sich kurz rosa-orange, um dann in zartem Lila zu verblassen. Weil er mit seinen 4300 m Höhe aus der Umgebung recht proment hervorragt, wirkt er immer ein wenig unwirklich. Stichwort Fototapete.

Ansonsten noch ein paar facts:

Klima

Durch seine Höhe erzeugt der Mount Rainier sein eigenes Mikroklima. Die durchschnittlichen Niederschläge liegen bei Paradise bei jährlich 2500 Millimeter, die meist als Schnee fallen. Durchschnittlich fallen im Winter bei Paradise 17 Meter Schnee, der Rekord lag im Winter 1971/72 mit fast 28,5 Meter Neuschnee. Von Februar 1971 bis Februar 1972 fielen insgesamt 31,1 m Schnee. Im Regenschatten des Gipfels im Nordosten sind die Niederschläge deutlich geringer, im Nordwesten dagegen höher. Die Tagestemperaturen liegen im Sommer bei Paradise um 15 Grad Celsius, im Winter um −2 Grad Celsius.

Gletscher

Die heute den Mount Rainier bedeckenden Gletscher bilden mit einer Fläche von über 90 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Gletschergebiet eines einzelnen Berges der USA außerhalb Alaskas. Die jährlichen Niederschläge von bis zu 28 Metern Schnee speisen die Gletscher, so dass sie heute als stabil gelten. Die Vergletscherung führt dazu, dass sich der Berggipfel durch Lawinen und Felsrutsche weiter verändert. Von den insgesamt 26 Gletschern ist der Emmons Glacier der größte, der zweitgrößte ist der Carbon Glacier, der über 6,5 Kilometer nach Nordwesten fließt. Weitere Gletscher sind unter anderem der Nisqually Glacier, der North Mowich Glacier, der Tahoma Glacier, der Winthrop Glacier und der Gowitz Glacier.

Im Paradise Glacier befinden sich die Paradise Ice Caves, die 1978 als das weltweit größte Gletscherhöhlensystem mit einer Gesamtlänge von etwa 13 Kilometern vermessen wurden.

Also schon ein recht „merkwürdiger“ Berg… Ja und by the way, er/sie ist ja eigentlich ein Vulkan schon klar und dazu noch schnell zitiert:

Die letzte aufgezeichnete Eruption fand zwischen 1820 und 1854 statt, es gibt aber Augenzeugenberichte über mehrere Ausbrüche im späten 19. Jahrhundert (Harris, 1888). Obwohl zurzeit die Gefahr eines Ausbruchs nicht besteht, rechnen Geologen ihn zu den schlafenden Vulkanen und gehen davon aus, dass der Vulkan wieder ausbrechen wird. Lahare sind die größte Gefahr, die vom Mount Rainier ausgeht, aber er ist auch in der Lage, pyroklastische Ströme zu verursachen und heiße Lava auszustoßen. 1947 ging eine Schlammflut den Kautz Creek hinab und verwüstete den tiefer gelegenen Wald. 1963 wurde an der Nordseite des Little Tahoma Peak vermutlich durch eine vulkanische Dampfexplosion eine Steinlawine ausgelöst, die sechs Kilometer weit bis in das White River Tal hinabging und erst einen Kilometer vor einem Campingplatz zum Stillstand kam.

Sehr beruhigend, dass sie noch vor dem Campingplatz zum Stillstand kam. Also da wird die Takhoma schon aufpassen….

Gerade wandert die Sonne am längsten Tag des Jahres weiter nach Westen und wird bei Euch schon bald wieder aufgehen, deshalb zu Schule und Lacrosse, demnächst. Good Nighty!

Ein Gedanke zu “Der Berg

  1. Da es mein Job zu sein scheint, den Erst-Kommentar zu verfassen: 1. Schön, dass du endlich wieder was geschrieben hast – tolle Infos und traumhafte Bilder und an dieser Stelle mal wieder Empfehlung für Leseratten: Antje Babendererde schreibt auf deutsch und für Jugendliche u.a. über eure Gegend (Indigosommer), in einem Stil, den man auch als Erwachsene gut aushalten kann.
    2. No way hörst du auf zu bloggen! Wir wissen noch lang nicht genug!! Wir stellen dir auch Themen/ Fragen!!! Büüüüütteee!!!!
    (Und ja genau, ich verwende eigentlich so gut wie nie mehrere Satzzeichen nacheinander. Du darfst also auf starke Emotionen schließen)
    Wir freuen uns auf euch! Snailmail zurück wird sicher nichts mehr, da my Sonny auch im Snailtempo Briefe schreibt, aber auf diesem Wege vielen Dank an your Sonny für die Post!

    Like

Hinterlasse einen Kommentar