Goldene Herbst Themen

Und wie allawai am 31. Oktober: Halloween!!! Dass es mittlerweile zur Tradition wird – eh klar – aber es gibt den putzigen Halloween, den vertrete ich: Mit Kürbissen, Geisterlein, Orange und Schwarz, lecker Würstchenmumien oder Grabsteinbrötchen und vielen anderen süßen Ideen. Und dann gibt es hier Dekofreeks da fällt mir nichts mehr ein. Tierskelette (Hund, Katze, Ratte) neben menschlichen Skeletten, ok, das geht noch, dann aber durchaus realistische Gummiköpfe ohne Körper, sprich also Geköpfte, Zombies, Wehrwolfefratzen, Hände die sich aus dem Vorgartenbeet graben. Also ich kann mich nicht dran gewöhnen. Bella auch nicht, sie bellte letztens höchst aufgebracht ein paar (Un)tote an, die sich auf dem Gras fletzten. Bist du deppat!

 

Natürlich will der Sohn jetzt als „Bloody Butcher“, er hat ja den passenden Kopfschmuck in Portland erstanden, auf die Halloween Parade in der Schule. Hauptsache politsch korrekt, keine fremden Kulturen nachahmen (ich denke leicht beschämt an die Faschingsfeiern der 80er Jahre, Chinese, Indiander, Haremsdame und Arababer waren ja Klassiker), aber blutige, Geköpfte, kein Problem.

Die gute Nachricht, seit ca 10 Jahren gab es nicht so gute Wetteraussichten wie für dieses Halloween und wir werden – da nun in Fußabstand, neben der neighborhood auch „die Lakes“ unsicher machen, jene berühmte Siedlung, in der für einen Abend Geisterbahnen entstehen und quasi Halloweentourismus herrscht.

Dann war die alljährliche All-Band-Night. Seht ihr, es gibt nichts Neues mehr zu berichten, außer, dass jetzt beide Kinder mit dabei sind, dass es jedes Jahr beeindruckend ist, wie man 800 Musiker auf einem Feld so einen Show zeigen lassen kann und dass die Musik schon einen großen Teil im Unterricht einnimmt. Wenn man in der 7. Klasse noch im Bandprogramm ist, hat man das ganze Jahre jeden Tag eine Stunde Band… (In der 5. geht es mit 2x die Woche los, in der 6. hat man jeden 2. Tag Band usw). Ich errinnere mich auch an meinen „musischen Zweig“, die Chor- und Orchestertage und das waren schon highlights im durchaus tristen Schulalltag. Also warum wird Kunst und Musik so abgespeckt bei uns??? Hier der link zur All Band Night, für die Interessierten.

Ach ja und ein Vortrag für Eltern zum Thema Elektronical Devices für Kinder und wie man die Nutzung unter Kontrolle hat. Der Mercer Island Family-Therapeut war recht lustig und hat es sehr allgemein gehalten. Vor allem müssen wir Erwachsene uns natürlich selbst an die Nase fassen und sollten wir uns ständig mit fb, whatsapp, Katzenvideos oder „nur die Mails checken“ beschäftigen, sollte es uns weder verwundern noch erzürnen, wenn die Kinder dann eben auch das Gerät ständig in Gebrauch haben. Und wie oft wollten wir eben schnell was bestellen oder nachschauen und sind dann nach 2 Stunden lustigen Tierbaby-Videos, dem neuen Filmtrailer oder noch irgendwas anderes Sinnloses suchend, aufgestanden und haben uns geärgert? Langer Rede kurzer Sinn, es ist für die Kinder noch schwieriger zu sagen ok, Hausi ist fertig, Instrument ist geübt, jetzt spiele ich 10 min eine cooles Spiel am PC oder Handy und dann lese ich noch 30 minuten oder gehe mit dem Hund??? Schön wär das, aber eben unrealistisch und deshalb braucht man auch nicht sauer sein oder verzweifelt, wenn das Kind nicht wegkommt vom Gerät, denn das ist nun mal normal, dass die Dinger süchtig machen. Ich verstecke jetzt einfach das Gerät, so dass wir dann gemeinsam auf die Suche gehen müssen und jeden Tag kann man es eben auch nicht finden. Außerdem darf Vali einen Coding-Kurs nach der Schule besuchen und „programmiert“ jetzt seine eigenen Spiele. Und ich muss mich in Selbstdisziplin üben, ich gebe es ja zu.

Was er natürlich auch gesagt hat, dass die Kinder ja im Grunde gar kein Handy „brauchen“, ach nee, denn das sind ja auch keine Telefone mehr, sondern Computer mit internet und allem zip und zap und Telefonieren tut damit kein Kind mehr, quasi. Es gibt wohl von verschiedenen Anbietern sogenannte „smart watches“ mit denen man auch telefonieren kann. Sprich man kann das Kind erreichen und es kann anrufen (vmtl kann man es auch tracken) aber es hat keinen Internetzugang – hätte ich das mal voher gewusst!

Und zum Abschluss ein Ausflugstipp in Seattle Downtown Der Smithtower! http://www.smithtower.com/:  Hochgefahren wird mit einem der antiken Fahrstühlen, dort oben kann man die grandiose Aussicht und ein Lunch fast privat mit wenig anderen genießen. Wer Abends einen Cocktail nehmen möchte, ist hier sicher auch nicht schlecht beraten – Seattle bei Nacht !

 

„In 1914, Smith Tower became the first skyscraper in Seattle and the tallest building west of the Mississippi River. For more than one hundred years, it has remained a cultural icon of the city, offering breathtaking panoramic views and spectacular architectural beauty.“

Man kann (bzw. muss) beim Rauffahren auch ein paar erhaltene Räumlichkeiten ansehen und mehr über den Erbauer und Menschen, die beteiligt an dieser damals kühnen Idee waren, erfahren. Heute sind in den 42 Etagen fast ausschließlich Büros untergebracht, nur über der Aussichtsplattform mit Restaurant und Bar gibt es eine Penthousewohnung, nicht schlecht.

Das wars vom goldenen Oktober – genießt die Herbstferien! Wir müssen noch bis Thanksgiving durchhalten!

Oregon and Coast

Ich bin mir nicht ganz darüber im Klaren warum mein letzter Beitrag sich hinter dem vorletzten versteckt, aber ich hoffe „you figured it out“ wie man hier sagt. Bei mir wird der Bericht vom 1.10. immer vor dem vom 8.9. angezeigt, seltsam. Dabei habe ich nur etwas Speicherplatz und einen einfacheren Zugang dazugenommen, hoffentlich auch weniger/keine Werbung für Leser?? Bitte meldet mal rück.

Hier also nach dem „Wilderness Beitrag“, der zweite Bericht im Oktober. Die Besuchszeit ist für dieses Jahr vorläufig beendet. 3 Wochen mit den 3 lieben Großeltern haben den Herbst eingeläutet. Und wir haben wieder neue Gegenden und Highlights in und um Seattle erkundet.

Finally Portland! Eine liberale, coole Stadt im Nordwesten mit Universtät und sogar einer dt. Schule, vielen Fahrradfahrern, Stadt der Brücken und Rosen. Zugegeben, ganz so hübsch und modern wie Seattle fand ich es dort nicht, aber die Innenstadt ist wiederum gefühlt eruopäisch durchwanderbar und außerdem waren wir nur ein paar Stunden dort.

An den berühmten „Food Trucks“ konnte man zwischen Thai – Mexican – Americana – Vietnam – German – uvm. auswählen und „auf der Hand“ mit Leckerein aus aller Welt den Hunger stillen. Am Fluß zum Saturday Market schlendern und unnötige Dinge anschauen und erwerben ((Groß)-Väter ausgenommen)

 

Abends dann eine der zahllosen Breweries besuchen und mit deftiger Grundlagen durch diverse Biere durchprobieren. Während in Deutschland Jamaika favorisiert wird und alle am Oktoberfest abfeiern, sei uns das hopfige, malzige, durchaus starke Bier des Nordens gegönnt oder?

Und dann am nächsten Tag Cannon Beach, das Kampen der Westküste. Im Vergleich zu den bisher besuchten Küstenorten, die ja oft etwas trostlos daher kommen, war dies ein wirklich netter Ort mit Holzhäusern, Küstenweg, Galerien und natürlich dem Strand mit dem Haystack Rock, der „ist ein 72 m hoher Monolith an der Küste Oregons [ … ] Er bekam seinen Namen auf Grund der Ähnlichkeit zu einem Heuhaufen und zählt zu den größten Küstenmonolithen der Erde.“ (Wiki)

Alle waren glücklich – Großeltern, Kinder, Eltern und der Hund. Das T-Shirt Wetter konnte man natürlich nicht erwarten und hat neidvolle Ausrufe der Freunde hier ausgelöst, die behaupten, nur bei schneidendem Wind oder prasselndem Regen Cannon Beach zu erlebne, aber wenn man Amrum, Sylt und Borkum kennt und liebt, dann kommt einem Cannon Beach irgendwie vertraut vor – moin, moin.

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Wandern in „the wilderness“

Herbst – Wanderzeit… Gerade hat unser Nachbar den Mount Rainier umrundet, ist teilweise schon durch Schnee gestapft und bevor die Ski-Saison oder zumindest der Oktober durchstartet, berichte ich noch von unserem Wandererlebnis am Labor-Day Weekend. Man hat ja als Amerikaner nicht so viel Urlaub und genießt stattdessen lange Wochenenden. Logdes am Fuße eines Berges, Häuser am Meer, Zeltplätze auf malerischern Campingplatzen, alles ist Monate im Voraus an den beiden beliebtesten Reisewochenenden der USA dem Memorial-Day-Weekend und dem Labor-Day-Weekend ausgebucht. Wir, wie immer kurzentschlossen, stellten wiederum schmerzlich fest, die Lodge am See/am Berg/am Meer gibt es nicht mehr (wenn es sie überhaupt gegeben hätte).

Schon länger faszinieren mich Fernwanderwege, sei es europäische wie der Jakobsweg nach Santiago de Compostela (siehe „Ich bin dann mal weg“, von H.P. Kerkeling) oder amerikanische wie der PCT oder der Appalachian Trail (Literatur und Film siehe „Wild“ und „Walk in the woods“)

Der PCT, der Pacific Crest Trail, https://www.pcta.org/ – spätestens bekannt eben seit dem Roman/Film „Wild“ führt ja praktischerweise auch durch den State Washington, so dass man mal so eine kleine Teilstrecke gehen könnte. Da mir ein Wanderführer diesbezüglich in die Hände gefallen ist und ich immer gerne unvorsichtiger Weise meine (wildromantische) Vorstellung tagelang einfach nur zu gehen, eingestreut habe, war dann ein paar Tage vor dem Labor Weekend klar: Wir müssen gar nichts buchen, wir wandern einfach los. Auf dem PCT, nähe Chinook Pass. Mit etwas Recherche kommt man schnell darauf, dass das Wandern und Zelten natürlich nicht überall möglich ist, aber z.B. entlang des PCT an viele Stellen erlaubt ist, also das Zelten und man darf sogar Hunde mitbringen. In anderen Regionen darf man das mit einer permit der Forest-Ranger-Station auch, wobei es hier dann Mengenbegrenzungen geben kann.

Wir also Route ausgesucht, Ausstattung aufgerüstet (Zelte, Matten, Wasserfilter, Hundrucksack und was man eben so braucht) und uns gefreut. Leider gab es ja (Stichwort heißester und trockenster Sommer ever) viele Waldbrände in Kanada und Ende August, Anfang September auch in Oregon und Washington. Und nachdem unser anvisierter Parkplatz ca. 3 Meilen vom nächsten Waldbrand entfernt war und eine Freundin, die auch mit ihrer Familie wandern wollte, wegen „bad air quality“ dringend abgeraten hatte, musste umdisponiert werden. Eben diese Freundin, hatte dann die nördlich gelegene Mt. Baker Wilderness (ich dachte immer es heißt wildness, das ist aber was anderes) empfohlen und so ging es dann mit 2 Hunden, 4 Erwachsenen und 6 Kindern auf diese Route, die für Kinder und Hunde mit und ohne Rucksack wärmstens empfohlen wurde.

https://www.alltrails.com/trail/us/washington/yellow-aster-butte-trail

Da wir zwei Übernachtungen eingeplant hatten, sind wir am Samstag gemütlich angereist, haben uns an der Ranger Station getroffen, permits, bear container (!) und blue bags (das bedeutet wir mussten nicht nur unser Essen hinauf, sondern alles was wir daraus gemacht haben auch wieder mit hinunter tragen) geholt, dann hatten alle nochmal Hunger, Durst, mussten nochmal eben, so dass wir erst um 13 Uhr (schön in der Mittagssonne) am Trailhead (Einstieg) ankamen. Der PCT startet ja in Mexiko und so kam ich mir vor. Die Hunde – und auch ein paar der Kinder – waren nach den ersten 500 m kurz vorm Kollabieren, da es ca 32 Grad hatte, steil bergauf ging und das Ganze ohne Schatten.

Ein paar Herabsteigende gaben uns etwas Hoffnung, da der weitere Anstieg im Wald liegen würde. Mit vielen Pausen und in einer Zeit in der gepäck-, kinder- und hundlose wahrscheinlich 3x auf und ab gerannt wären, erreichten wir den Ausblick auf unser Nachtlager. Motivationstrainer und Teambuilder wären erblasst, wenn sie unser coaching bis nach oben mit angehört hätten. Dennoch neigte sich die Sonne schon langsam zum Untergang, als wir unser Schlafplateau erreichten. Das Abendlicht und die Ausblicke auf die umliegenden Berge ließen jedoch alle Anstrengungen augenblicklich vergessen und sämtliche Klagen verstummen.

 

Schnell die Zelte aufgeschlagen und im Halbdunkeln auf den Gaskochern eine Abendmahlzeit zubereitet, ab in die Schlafsäcke, herrlich so ganz ohne Rucksack.

Überraschenderweise kamen weder Bären, noch sonstige größere Tiere am Zelt vorbei, Bella schlief tief und fest und auch der Bärenkontainer schien unberührt. Murmeltiere, Streifenhörnchen und Rebhühner haben sich tagsüber gezeigt.

Am nächsten Tag ging es auf einen kleinen Gipfel und dann in einen der Seen, die unser Trinkwasserreservoir, Waschbecken, Badewanne und Hundtränke waren… Der Mond schien hell, ein paar Zelte weiter, hatte ein Wanderer seine Gitarre mitgebracht und sang in die Dunkelheit hinein, quasi ein Schlaflied für uns.

Die Nächte waren angenehm kühl, doch tagsüber wärmte sich die Luft auf 26 bis 30 Grad auf, so dass wir froh waren nach kurzen Anstieg aus unserer „Schlafkuhle“ vorwiegend nur noch bergab ging, zumal wir wieder über 4 Stunden zurück zum Ausgangspunkt brauchten…

 

Im Tal angekommen, stellten wir fest, dass das, was wir als Morgendunst wahrgenommen hatten, eine weitere Welle von Rauchwolken aus den Wäldern Oregons und Süd-Washingtons war und wir ziemliches Glück mit den zwei klaren Wandertagen hatten. Eine Woche mit Feuerverbot, Ascheregen und „Drinnen-Pause“ schloss sich an und wiederum wünschte man sich Regen und Abkühlung. Diesmal geht wirklich ein „endles summer“ langsam dem Ende zu. Die Zeit der Ablenkung ist vorbei – auch wenn Trump sein Bestes gibt und 24 mal über football twittert anstatt Hilfe für die von den Hurrikans gebeutelten Inseln voran zu treiben. In Deutschland wählen über 86% der Menschen gemäßigte Parteien, das ist doch mal was und die Zeiten der älteren Herren in Zopfmuster Strickjacken neigt sich dem Ende zu, oder Horst? Wie auch immer, ernüchtert reiben wir uns die Augen und weiter gehts. Vielleicht doch weiter ablenken im links-liberalen Portland/Oregon und in Cannon Beach? Davon mehr beim nächsten Mal!