Ach so, deshalb looken die so familiar…

Jetzt wird es Zeit die Zelte abzubrechen, denn diesen Satz haben nicht etwa die Kinder, die schon seit dem ersten Jahr immer wieder englische Ausdrücke liebevoll in ihre deutschen Sätze untermischen ausgesprochen – (Wir linen uns da all up, das Wetter is heute pretty blurry) nein, das war ich. Zugegeben leicht angeschickert von einem 50.igsten Geburtag heimspaziert, habe ich festgestellt, dass ich wohl ein paar der mir unbekannten anderen Gäste vom Sehen aus der Schule kennen musste, da die Kinder wiederum die Kinder kannten. Und dann war mir eben klar, warum die alle so familiar looken. Die Familie war zu Recht entsetzt darüber, dass Mutti so einen Satz raushauen kann und sich gleichzeitig Sorgen um die schulische Wiedereingliederung ihrer Kinder ins deutsche Schulsystem macht. Vielleicht sollte ich mir um mich mehr Sorgen machen.

Abgesehen von diesen Kleinigkeiten, waren aber Tochter und Mutter auf dem MARCH FOR OUR LIVES, der ja wie ihr alle sicher mitbekommen habt, gestern USAweit stattgefunden hat.

Und wie in D.C., war auch in Seattle Aufbruchstimmung – alle hoffen auf Verschärfung der Waffengesetze. Und da komme ich leider schon wieder ins Grübeln bzw. es fällt mir schwer diese „babysteps“ so ganz prima und ausreichend zu finden – zumindest gehen sie in die richtige Richtung. Denn diese bewunderswerten Jugendlichen, die wirklich Massen bewegen haben einen großen Hebel: Die Tatsache, dass sie die nächste Wählergeneration sein werden. Sie wollen jedoch tatsächlich erstmal nur, dass eben Lehrer nicht bewaffnet werden, sondern dass Waffen, wie auch die halbautomatischen Waffen der AR-15 Waffenfamilie, die in Parkland benutzt wurde, erst ab 21 Jahren gekauft werden können, dass man die Nachrüst-Vorrichtung, womit man Waffen zu (halb-)automatischen aufrüsten kann verboten werden etc.

In Deutschland, das habe ich zufällig gestern mit einem deutschen Polizisten Sohn auf der Party besprochen, muss man ja einen Waffenschrank für jede seiner registrierten Waffen haben und den kleinen oder großen Waffenschein haben… Ansonsten werden dir neben den Waffen gleich noch die Waffenscheine entzogen. (die fettdruckten Wörter sind Fremdwörter hier). Da lacht der Amerikaner natürlich. Hier werden die Waffen im Handschuhfach, unterm Autositz, im Nachtkästchen oder unterm Sofakissen aufbewahrt und das ganz legal. Das ist eben der Pioniergeist, Waffe schön griffbereit, den Einbrecher erschießen ist voll ok, Selbstverteidigung halt. Registrieren ist nicht nötig, man kann auch gerne in Cash zahlen. Eine Waffe ist leichter zu bekommen als Ibuprofen 400. In der Zeitung findet man täglich neben lustigen Berichten vom Dänischen Bäcker in Ballard (wirklich nette Geschichte ich hänge den link an) , Reise- und Shoppingtipps auch die Berichte über „Fatal Shootings“. So zum Beipiel im Februar, als es an einer Baustelle auf der Autobahn A5 südlich von Seattle zu einer Streiterei wegen Vorfahrtsmissachtung zwischen einer Motorradfahrerin und einem älteren Autofahrer kam. Beide blieben stehen und stritten am Seitenstreifen weiter – es kam zur Rangelei, der Mann drückte die Frau auf den Boden und dann hat sie ihre Waffe gezückt und ihn – erschossen. Ja mei, so Bausstellen können einen aber auch zum Ausrasten bringen, hieß es dann noch. I call this B.S.

Hier für alle, die das gerne selber lesen:

https://www.seattletimes.com/seattle-news/crime/police-woman-fatally-shoots-man-in-road-rage-incident-on-interstate-5/

Das beste ist, dass die Frau nicht angeklagt wird, das habe ich bei der Suche nach dem link gerade entdeckt – war eben Selbstverteidigung…

https://www.seattletimes.com/seattle-news/crime/prosecutors-wont-charge-motorcyclist-who-fatally-shot-a-man-in-road-rage-incident-near-tacoma/

So und zum Schluss noch was Nettes, der Dänische Bäcker aus Ballard, dem die Rente zu langweilig ist und WilliWonka-artig Teigwürste zu Kringeln zaubert….

https://www.seattletimes.com/life/food-drink/all-the-kringle-and-smorkage-too-larsens-danish-bakery-is-still-going-after-almost-half-a-century/

Gute Woche und endlich Frühling wünsche ich euch!

Seriously?

Es gibt viel zu Grübeln in letzter Zeit, nicht zuletzt wie es wohl sein wird – back in good old Germany. Drei Jahre sind quasi nichts in so einem 100jährigen Leben (davon gehen wir jetzt mal aus) und doch ist es eine Ewigkeit und wie schon oft beschrieben, so österreichisch, deutsch oder „bavarian“ habe ich mich noch nie gefühlt und das wird eher schlimmer. Demnächst mache ich vielleicht noch ein Jodldiplom oder so. 

Zusammengefasst, sobald man also irgendwo in der Fremde wohnt, sind da diese Vergleichsbilder – zu Hause wäre es jetzt so oder so – oh Mann, das würde ich jetzt aber vermissen  – oh bin ich froh, dass es das bei uns in der Form nicht gibt – wie soll das nur funktionieren, wenn wir das nicht mehr haben usw. usw.

Um es mit Beispielen zu füllen – wenn ich dann wieder ungegrüßt mit Bella spazieren gehe, vermisse ich die amerikanischen Hundebesitzer (oder auch nur Spaziergänger), die stehen bleiben und „What a Cutie!“ rufen (sie meinen damit natürlich Bella) und sie knuddeln und ihr Küsse hinters Ohr drücken (ok, das muss nicht unbedingt sein, aber so hundeverliebt sind sie eben, die Spaziergänger auf MI), da werden wir uns wohl recht ungeliebt fühlen. Oder wenn ich – nachdem man mir meine Papiertüten mit den Einkäufen bepackt hat, mich nach meinem Befinden oder meinen weiteren Plänen befragt hat, mir, den Kindern oder meiner mitgebrachten Einkaufstasche Komplimente gemacht hat – gefragt werde: Sollen wir ihnen helfen, die Einkäufe ins Auto zu laden? – tja dann schmunzele ich schon, bei der Vorstellung im Starnberger Aldi, Penny, Edeka etwas Ähnliches zu erleben…

Zum Glück gibt es aber den Donald und der sorgt dafür, dass eventueller Abschiedsschmerz überhaupt gar nicht aufkommen kann, denn seine brillianten Ideen gegen die regelmäßigen „mass-shootings“, die haben sogar bei uns auf Mercer Island schon ihre Blüten getrieben und ich MUSS euch die E-Mail die letzte Woche aus der Grundschule kam, tasächliche mit dem Titel „Exciting News“ hier eins zu eins wiedergeben:

Dear Lakeridge Families,
 
I am excited to share with you a new level of partnership between Lakeridge and the Mercer Island Police Department which we kicked off during lunch time this past Friday. 
 
MISD and MIPD already have a deep and longstanding positive partnership here on the Island. Our School Resource Officer, Art Munoz, is known and loved by many students, families and MISD staff. The police department partners with Lakeridge for our Third Grade Bike Rodeo, Walk/Bike to School, Marine Safety, and Safety Patrol Team just to name a few.
 
Now, we get to expand this partnership even more! MIPD officers will be buddying up with our elementary schools on a more regular and visible basis. They might stop in to have lunch in our cafeteria, stroll the hallways to give students high fives, or even play a quick basketball game with our kids out on the playground. We are thrilled to have our local officers connecting with our kids and school in such a personal and supportive way.
 
So, please do not be alarmed should you see a police vehicle around the school or an officer wandering our grounds. Just like every visitor, they’ll be signing in at the office and we will know they are here. Together, we are all keeping kids safe, happy and learning at school.
 
Please join me in welcoming our officers to our schools! 
 
Have a great evening,
 
Heidi Jenkins
Das also der Brief der Schulleitung, Heidi. Zusammengefasst: die Polizei wird einfach mal öfter anwesend sein. Fett gedruckt habe ich, weil diese Vorstellung, dass die Officer dann mit ihren Waffen, die werden sie ja wohl kaum ablegen, Basketball spielen, beim Mittagessen dabeisitzen oder einfach nur „high fives“ verteilen, so unglaublich ist, da sag ich tatsächlich: Seriously???
Die Mütterlobby ist aber andererseits schon in den Startlöchern und am 24. März wird USA weit demonstriert für strengere Waffengesetze. Das Sportgeschäft „Dick’s Sporting Goods“, bei dem wohl der Florida Shooter seine Waffe gekauft hat, hat angekündigt – als eines der ersten Sportgeschäfte – jetzt nur noch über 21 Jährigen Waffen zu verkaufen. Und wieder: Seriously? – Man konnte sie bisher auch unter 21 Jahren einfach so kaufen, im Gegensatz zu Alkohol? Im Skiurlaub war eine Familie neben uns an der Bar mit  fast erwachsenen Jugendlichen, also die waren deutlich über 18, aber gut man weiß ja nie genau und der Hipster Barkeeper sagte dann: I need to see your IDs, als die sich ein alkoholisches Mixgetränk bestellen wollten. Die Eltern standen dabei und das Mädel zückte ihre ID, der Junge sagte, oh ID habe ich nicht dabei, dann nehm ich ne Limo. Keine Diskussion, its the law. Ne Waffe dagegen – gerne gegen Cash und ohne ID, oder wie?  Dann also lieber ungegrüßt spazierengehen, Komasaufen ab 16 und  dafür nur Waffen für Jägerinnen, Sportschützen und Polizisten, die dann wiederum kein Basketball spielen oder im Hort ein Mittagessen einnehmen. 
Am besten wir ziehen in absehbarer Zeit auf einen anderen Planeten und fangen ganz von vorne an, seriously!