Seriously?

Es gibt viel zu Grübeln in letzter Zeit, nicht zuletzt wie es wohl sein wird – back in good old Germany. Drei Jahre sind quasi nichts in so einem 100jährigen Leben (davon gehen wir jetzt mal aus) und doch ist es eine Ewigkeit und wie schon oft beschrieben, so österreichisch, deutsch oder „bavarian“ habe ich mich noch nie gefühlt und das wird eher schlimmer. Demnächst mache ich vielleicht noch ein Jodldiplom oder so. 

Zusammengefasst, sobald man also irgendwo in der Fremde wohnt, sind da diese Vergleichsbilder – zu Hause wäre es jetzt so oder so – oh Mann, das würde ich jetzt aber vermissen  – oh bin ich froh, dass es das bei uns in der Form nicht gibt – wie soll das nur funktionieren, wenn wir das nicht mehr haben usw. usw.

Um es mit Beispielen zu füllen – wenn ich dann wieder ungegrüßt mit Bella spazieren gehe, vermisse ich die amerikanischen Hundebesitzer (oder auch nur Spaziergänger), die stehen bleiben und „What a Cutie!“ rufen (sie meinen damit natürlich Bella) und sie knuddeln und ihr Küsse hinters Ohr drücken (ok, das muss nicht unbedingt sein, aber so hundeverliebt sind sie eben, die Spaziergänger auf MI), da werden wir uns wohl recht ungeliebt fühlen. Oder wenn ich – nachdem man mir meine Papiertüten mit den Einkäufen bepackt hat, mich nach meinem Befinden oder meinen weiteren Plänen befragt hat, mir, den Kindern oder meiner mitgebrachten Einkaufstasche Komplimente gemacht hat – gefragt werde: Sollen wir ihnen helfen, die Einkäufe ins Auto zu laden? – tja dann schmunzele ich schon, bei der Vorstellung im Starnberger Aldi, Penny, Edeka etwas Ähnliches zu erleben…

Zum Glück gibt es aber den Donald und der sorgt dafür, dass eventueller Abschiedsschmerz überhaupt gar nicht aufkommen kann, denn seine brillianten Ideen gegen die regelmäßigen „mass-shootings“, die haben sogar bei uns auf Mercer Island schon ihre Blüten getrieben und ich MUSS euch die E-Mail die letzte Woche aus der Grundschule kam, tasächliche mit dem Titel „Exciting News“ hier eins zu eins wiedergeben:

Dear Lakeridge Families,
 
I am excited to share with you a new level of partnership between Lakeridge and the Mercer Island Police Department which we kicked off during lunch time this past Friday. 
 
MISD and MIPD already have a deep and longstanding positive partnership here on the Island. Our School Resource Officer, Art Munoz, is known and loved by many students, families and MISD staff. The police department partners with Lakeridge for our Third Grade Bike Rodeo, Walk/Bike to School, Marine Safety, and Safety Patrol Team just to name a few.
 
Now, we get to expand this partnership even more! MIPD officers will be buddying up with our elementary schools on a more regular and visible basis. They might stop in to have lunch in our cafeteria, stroll the hallways to give students high fives, or even play a quick basketball game with our kids out on the playground. We are thrilled to have our local officers connecting with our kids and school in such a personal and supportive way.
 
So, please do not be alarmed should you see a police vehicle around the school or an officer wandering our grounds. Just like every visitor, they’ll be signing in at the office and we will know they are here. Together, we are all keeping kids safe, happy and learning at school.
 
Please join me in welcoming our officers to our schools! 
 
Have a great evening,
 
Heidi Jenkins
Das also der Brief der Schulleitung, Heidi. Zusammengefasst: die Polizei wird einfach mal öfter anwesend sein. Fett gedruckt habe ich, weil diese Vorstellung, dass die Officer dann mit ihren Waffen, die werden sie ja wohl kaum ablegen, Basketball spielen, beim Mittagessen dabeisitzen oder einfach nur „high fives“ verteilen, so unglaublich ist, da sag ich tatsächlich: Seriously???
Die Mütterlobby ist aber andererseits schon in den Startlöchern und am 24. März wird USA weit demonstriert für strengere Waffengesetze. Das Sportgeschäft „Dick’s Sporting Goods“, bei dem wohl der Florida Shooter seine Waffe gekauft hat, hat angekündigt – als eines der ersten Sportgeschäfte – jetzt nur noch über 21 Jährigen Waffen zu verkaufen. Und wieder: Seriously? – Man konnte sie bisher auch unter 21 Jahren einfach so kaufen, im Gegensatz zu Alkohol? Im Skiurlaub war eine Familie neben uns an der Bar mit  fast erwachsenen Jugendlichen, also die waren deutlich über 18, aber gut man weiß ja nie genau und der Hipster Barkeeper sagte dann: I need to see your IDs, als die sich ein alkoholisches Mixgetränk bestellen wollten. Die Eltern standen dabei und das Mädel zückte ihre ID, der Junge sagte, oh ID habe ich nicht dabei, dann nehm ich ne Limo. Keine Diskussion, its the law. Ne Waffe dagegen – gerne gegen Cash und ohne ID, oder wie?  Dann also lieber ungegrüßt spazierengehen, Komasaufen ab 16 und  dafür nur Waffen für Jägerinnen, Sportschützen und Polizisten, die dann wiederum kein Basketball spielen oder im Hort ein Mittagessen einnehmen. 
Am besten wir ziehen in absehbarer Zeit auf einen anderen Planeten und fangen ganz von vorne an, seriously!

6 Gedanken zu “Seriously?

  1. School walkout auf MI?
    Habt ihr was mitbekommen vom National School Walkout? Ach Moment, ist es bei euch überhaupt schon 10:00 Uhr? Früher gehts ja eh nicht los. Die Lehrer dürfen ja nicht mitmachen und auch nicht dazu auffordern – gehen – zumindest an der Schule von Großem Kind – trotzdem Schüler aus dem Unterricht? Ich bin sehr gespannt!

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    1. Ja, gabs ne Rundmail von den Schulen. Die Schüler, die wollten konnten für 17 min heute marschieren. Ich war auf dem Weg zur Arbeit als ich ein verlorenes Grüppchen Kinder mit bunten Plakaten an einer Hauptstraße in Seattle gesehen habe. Das war ein so trauriger Anblick, dass ich wirklich kurz ein paar Tränen vergossen habe. Meine Kinder wussten noch nicht so recht was sie machen, ich berichte…

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    2. Also in der Middle School gingen die meisten Kinder mit, versammelten sich allerdings auf dem Sportplatz – gut in so einer Wohngegend bekommt man nicht unbedingt die Aufmerksamkeit der breiten Made – und dort wurde dann zu jedem der 17 Opfer von Florida etwas vorgelesen. Wie alt sie waren, wo sie sich engagiert haben, welche Hobbies sie hatten…

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  2. Das ist doch schon mal toll! Dafür dass die Regierung eigentlich gar nicht wollte dass überhaupt irgendwas passiert in diesen 17 Minuten finde ich das super!
    Und eine breite Made sorgt für comic relief! Auch toll, die zeichne ich mal bei Gelegenheit! Wie breit denn? War sie betrunken oder überfahren;-)
    Und: mal wieder was Spannendes zum Thema Kinderbücher:

    🙂

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