Dude Ranch in Montana, Rodeo und warum Vali jetzt mit „yes ma’am“ antwortet.

„Dude“ wird ja hier so wie „Ey Alter“ verwendet, von daher kam uns das erst bisschen seltsam vor, aber wie wir später erfuhren kommt das aus der Zeit, als die Sommerfrischler aus den großen Städten die Ranches auf dem Land aufsuchten, dort mithalfen unbedarfte „Dudes“ wie sie waren. Daher der Name. Obwohl wir eigentlich nur eine halbwegs aktive Reiterin in unserer Familie haben, sollte also eine Horse Ranch unser erster Stop auf dem Weg in unsere 8 wöchigen möbellosen Zeit sein, in der wir nochmal die „full American experience“ inhalieren wollten, bevor wir dieses Land auf unbestimmte Zeit verlassen.

Big Sky Country wird Montana auch genannt. Mit 1 Mio Einwohner und einer ähnlichen Fläche wie Deutschland, einer der bevölkerungärmsten Bundesstaaten der USA. Unendliche Viehweiden oder Niemandsland. Auf dem Weg eine kleine Reifenpanne, was in der Abenddämmerung, ohne Hotel, ohne Netz mit einem Auto das pickepacke voll ist und Temperaturen, die nicht zum Zelten einladen, so mittel lustig daher kommt. Aber dank Ersatzreifen und einer hilfsbereiten Kneipenwirtin, ging es in die völlig überfüllte Hauptstadt Helena, wo es dann im „Quality Inn“ doch noch ein Bett gab und im nächstgrößeren Ort Bozeman dann auch am Sonntag neue Reifen, puh.

Abends Ankunft auf der „Sweet Grass Ranch“ einem Familien Betrieb irgendwo im Hinterland von Big Timber, wohin die letzten Kilometer nur noch eine Schotterstraße führt und man das Gefühl hat einen privaten National Park zu betreten. Im Haupthaus wurden gemeinsam mit allen Gästen und den „Wranglern“ also den Stallburschen und -mädels und der Familie die Mahlzeiten eingenommen… Das Essen war wirklich hervorragend und das ist jetzt auf unserer Reise eines der anstrengendsten Dinge, „gesundes Essen“ zu finden. Dort gab es immer Salate, Gemüse und natürlich Fleisch, alles reichlich. Frühstück mit diversen Eierspeisen (die machen ja alles mit den Eiern, außer gekochte Eier im Eierbecher), egg benedikt, eggs out of die oven, scrambled eggs, overeasy, sunny side up, omelets with cheese, pancakes, french toast usw.

Das Eigentliche auf der Ranch war aber natürlich die Pferde und das Reiten. Die rund 60 Pferde sind nachts auf einer gewaltigen Koppel am Bach und tagsüber werden sie je nach Temperament den jeweiligen Reitern zugeordnet. Ich hatte das sehr sanfte, bisschen nervöse Pferd „Blondie“ das einen sehr gemächlichen Galopp (jawoll) hatte. Sophie hatte das Pferd der Besitzerstochter, das diese als 11jährige geritten hat und das wiederum sehr gerne trabte und galoppierte. Nach dem ersten Ausritt gingen wir Eltern wie John Wayne zu unserer Hütte und konnten uns kaum rühren, während die Kinder behaupteten „nix“ zu spüren. Super, wenn man so langsam ins Senioren Alter kommt. Abends sagte man also Bescheid was man am nächsten Tag so an Reitaktivtät haben wollte und nach dem Frühstück ging es dann in den Sattel und wir sind dann meist als Familie mit einem „Wrangler“ irgendwo auf dem unendlichen Farmareal über Wiesen, durch Wälder usw. geritten. Grad schee wars (Abgesehen von den Beinen, dem Rücken, den Armen usw).

D

Die anderen Gäste kamen vorwiegend aus USA (Seattle, Florida und Arkansas) oder England. Die beiden Schwestern aus GB waren erfrischend direkt und haben Wörter in den Mund genommen, die ich in den 3 Jahren USA gar nicht mehr gehört habe (auch das f Wort war dabei) und wir hatten sehr, sehr lustige Abende! Was die Familie aus Arkansas betraf, so haben die Jungs jede Antwort gegenüber einem Erwachsenen mit einem „Yes Ma’am“ bzw. „Yes, Sir“ verseben, was mich leicht irritiert hat. Das kennt man in Seattle nicht. (Daran, dass jede Verkäuferin mich Honey oder Hon‘ nennt, daran kann ich mich eher gewöhnen) Die Kinder fanden das sehr amüsant und Vali hat das jetzt übernommen, ganz prima, wenn er uns antwortet.

Am Freitag fuhren wir alle zum jährlichen Rodeo nach Big Timber. Naja das ist nicht so ganz mein Fall. 3 Jährige werden auf Schafe gesetzt und halten sich zwischen 1 und 4 Sekunden darauf. Das Barrel Race ist das Beste, da galoppieren Cowgirls allen Alters um ein paar Fässer und das scheint auch den Pferden zu gefallen. Höhepunkt ist das Bullriding, Kommentare erübrigen sich.

Das Sopherl wurde übrigens für ihren Galopp schwer bewundert und als künftiger Wrangler in ein paar Jahren (sie verbringen hier gegen Kost, Logis und etwas Gehalt den Sommer) angeheuert. Auch die Familie aus Arkansas war extrem beeindruckt, zumal sie selbst diverse Shows and Races geritten sind. Es gab am letzten Tag nämlich Spiele und Rennen auf dem Pferderücken (absolut freiwillig, also ohne mich)

So ging die erste Woche mit vielen neuen Erlebnissen, Bekannten, gutem Essen und wunderschöner Natur zu Ende… Sweet Grass, Good bye!

Crazy market, USDA, Mazel Tov…

Also alles was uns Kenner und auch alle anderen hier über den Verkauf eines Hauses prophezeit hatten, es stand sogar immer wieder in der Zeitung „how crazy the Seattle house market“ ist, trat für uns ein. Nach nur 5 Tagen auf dem Markt, Multiple Offer Situation, Closing Date bevor unser Container losging usw. Es ist fast ein wenig unheimlich wie das alles so smooth lief. Aber da jede Woche ca. 500 Menschen aus aller Welt nach Seattle ziehen ist es wohl das normalste der Welt ein Haus schon nach 1,5 Jahren ohne Verlust zu verkaufen…

Das alles ist schon so lange her, aber ich war so busy, dass ich euch einfach heute mal schnell auf den neuesten Stand bringe und dann – promise – euch alles von unserem Roadtrip auf dem wir uns gerade befinden berichte. Mit vieeeeelen Bilder aus Montana, Wyoming und immer weiter, weiter nach Osten. Genieße endlich wieder eine Netzverbindung und schreibe während unsere Fahrt durch die great planes…

Aber zurück Ende Mai:

Das Haus gestaged, also aufgehübscht, fotografiert und auf Zuruf von uns „spotless“ verlassen, so dass wir kurz über ein Bed&Breakfast nachgedacht haben, da wir unsere tägliche Routine hatten und es (für 5 Tage) fast schon Spaß machte, alles so picobello zu verlassen…

Dann ein Highlight und sehr berührend: Wir wurden zur Bat Mitzwah der Tochter unserer ehemaligen Nachbarn eingeladen. Bar Mitzwah (für Jungs) bzw. Bat Mitzwah (für Mädchen) wird individuell im Alter von ca 13 Jahren gefeiert, vergleichbar mit der christlichen Konfirmation/Firmung, gefeiert. In einer modernen Synagoge mit einem ebenso „modernen“ Rabbi, Gitarre spielend und singend wurde der Gottesdienst gefeiert. Das Bat Mitzwah Girl, Rachel, hat den Gottesdienst dann zusammen mit dem Rabbi quasi gestaltet. Höhepunkt ist dann die „Rede“, eine selbst verfasste Interpretation einer Bibelstelle, in der Rachel so souverän auf die Politik Bezug nahm und ihren Glauben reflektierte, dass uns die Kinnlade runterklappte. Gut die Jugendlichen bereiten sich 2 Jahre auf diesen Tag vor und Rachel ist ein wirklich cleveres, theaterspielendes Mädchen, aber wir waren sehr beeindruckt! Danach im alten Amazon Gebäude mit 280 Grad Rundumblick über Seattle und Mercer Island die Party. Was für ein Erlebnis – Mazel Tov Rachel!

Danach habe ich dann Bella nach Europa geflogen – tja sie brauchte eben einen Direktflug und Reisen im Sommer mit Hund, gerade in Nationalparks, ist kein Spaß vor allem nicht für den Hund… Die USDA musste erst noch bestätigen, dass sie ordnungsgemäß geimpft wurde, was mich und die USDA leicht gestresst hat, denn da mussten diverse Papiere innerhalb von 7 Tagen per Post hin und her geschickt werden und mein Vertrauen an US Post und Ämter ist nicht besonders hoch, weshalb ich mehrfach telefonisch nachgehakt habe…

Alles klappte und in München wollte keiner auch nur einen Blick auf diese super wichtigen Papiere werfen. Aber egal, Bella ist in ihrem Feriendomizil angekommen, wird nach Strich und Faden verwöhnt und genießt Oberösterreich mit Pauli!